Donnerstag, 30. Januar 2014

Erste Arbeitswoche und Zwischenseminar

 
Nachdem wir von unserem Urlaub in Swakopmund wieder im  beschaulichen Tsumeb angekommen waren, hatten wir bald darauf auch unsere erste Arbeitswoche. Naja, eher eine halbe, denn Montag und Dienstag war eher noch aufräumen und putzen im Kindergarten angesagt. Ab Mittwoch kamen dann die ersten Kinder, und was für welche. Seit diesem Jahr werden auch 2-jährige angenommen und von den „alten“ Kindern waren nur noch sehr wenige übrig. Das hieß: viele kleine schreiende Kinder, die selten Englisch oder Afrikaans sprechen, meistens Damara oder Oshivambo, viele Rucksäcke die ständig vertauscht werden und natürlich kannten die Kinder ihre Namen nicht. Oft kennen die Kinder nur ihre Spitznamen die ihrem echten Namen allerdings überhaupt nicht ähneln. Wenn man dann natürlich einen völlig überforderten Taxifahrer hat, der grade mal weiß wie das Kind in etwa aussieht welches er abholen soll, aber nicht seinen Namen kennt, ist das Chaos völlig komplett. Denn wenn man dann erst mal das passende Kind für den Taxifahrer gefunden hat, fängt die Suche erst richtig an. Denn dann muss man erst mal die Tasche zu dem Kind suchen, natürlich steht da der echte Name drauf, den das Kind nicht kennt, dann fehlen meistens noch Jacken und Schuhe. So kam es in den ersten Tagen häufiger vor, dass Kinder einfach ohne Tasche nach Hause gegangen sind, weil die Taxifahrer am Ende völlig entnervt waren und die Kinder natürlich selber auch nicht wussten wie ihre Taschen aussahen. Auch während die Kinder draußen spielten, hatte man keine Minute Ruhe. Teilweise können die Kinder noch nicht alleine aufs Klo gehen, haben aber auch keine Windel mehr an. Wenn das Mädchen allerdings nur Oshivambo redet, dauert es natürlich seine Zeit bis man versteht, dass es aufs Klo möchte. Teilweise passierten natürlich trotzdem Missgeschicke und weil die Kinder, obwohl es den Eltern gesagt wurde, keine Wechselklamotten dabei hatten, mussten sie dann teilweise in viel zu großen Klamotten rumlaufen, weil im Kindergarten gerade nichts anderes gefunden wurde. Gleich am dritten Tag, wollten die Kindergartenlehrerinnen die Kinder in ihre Gruppen aufteilen. Die endete in einem heillosen Durcheinander weil die Kinder nach 10 min. keine Lust mehr hatten in einer Reihe zu stehen, wenn sie denn überhaupt einmal in einer Reihe standen.  Gerade die kleineren Kinder hatten überhaupt keine Lust darauf, und als ich einen kleinen Jungen in die Reihe stellen wollte, fing er an zu weinen und wollte gar nicht mehr aufhören. Da er gerade mal 2 Jahre alt war, nahm ich ihn kurzerhand einfach auf den Arm, obwohl er für sein Alter schon ganz schön schwer war. Währenddessen versuchte ich noch drei weitere Kinder in der Reihe zu behalten. Die Direktorin des Kindergartens lief derweil mit den Steckbriefen der Kinder zwischen den Reihen hindurch, auf der Suche nach dem passenden Kind auf den Bildern. Das endete dann damit, dass sie den Kindern teilweise den Steckbrief vor die Nase hielt und fragte: „Bist du das?“ oder „Weißt du wo derjenige ist?“. Zwischendurch kam noch eine Mutter und beschwerte sich, dass ihr Kind einfach von selber wieder nach Hause kam, dies lag jedoch daran, dass die Tante ihn einfach an den Eingang des Kindergartens abgestellt hatte, ohne jemandem Bescheid zu sagen. Während sie sich beschwerte, stand das Kind immer noch am Eingang des Kindergartens. Zwischen dem Eingang des Kindergartens und dem Tor wo die Autos reinfahren, liegt eine große Sandfläche. Weil das Kind nach 5 min immer noch keine Anstalten machte seinen Rucksack abzulegen, ging ich, immer noch den 2-jährigen Jungen auf den Arm, in seine Richtung um ihn zu den anderen in die Reihe zu stellen. Das fand er allerdings gar nicht so gut und als ich immer näher kam, fing er an Richtung Tor zu laufen. Erst langsam dann immer schnell. Schnell setzte ich den Jungen also auf meinem Arm ab, der so verdutzt war, dass er noch nicht einmal anfing zu weinen, und rannte dem Jungen hinterher, der ganz schön schnell war. Zu allem Überfluss hatte ich auch noch Flip-Flops an und dachte schon ich kann ihn gar nicht mehr fassen, aber zum Glück konnte ich ihn vor dem Tor einfangen und zurück bringen, während er allerdings wie am Spieß schrie. Zu alledem hatten natürlich das Ganze ein paar Jugendliche aus dem Youth Haus beobachtet, das direkt neben dem Feld steht und fanden das natürlich extrem lustig. Ich war nur froh das ich den Ausreißer rechtzeitig vor dem Tor erreicht hatte und nachdem er erst mal eine ordentliche Standpauke von den Lehrerrinnen bekommen hatte, die Mutter schien das gar nicht zu stören das er weggerannt war, war er zwar am Anfang noch etwas eingeschnappt, hat danach aber keinen weiteren Ausbruchsversuch unternommen und die Lehrerinnen konnten die Kinder weiter in ihre Gruppen aufteilen.

Nach dieser aufregenden halben Arbeitswoche kam dann sofort auch schon das Zwischenseminar, welches auf einer Game Lodge in der Nähe von Windhoek stattfand. Es war echt interessant mal zu hören wie es den anderen erging obwohl wir größtenteils auch schon viel von den anderen erfahren hatten, weil wir mit den Freiwilligen aus Rehoboth unseren Urlaub in Swakopmund verbrachten und die Freiwilligen in Windhoek schon mehrmals besucht hatten. Trotzdem waren es sehr schöne Tage die ein abenteuerlicher Game-Drive krönte, bei dem das vordere Auto auf der extrem steilen Bergstrecke stecken blieb. Also mussten wir aus dem hinteren Auto aussteigen und uns auf die Leitern zum einsteigen des vorderen Autos stellen, damit es mehr Gewicht bekommt und nicht ständig eines der Räder abhebt. Nach mehreren Versuchen konnte der Fahrer das Auto glücklicherweise auf die Spitze des Berges fahren und nach vielen weiteren steilen Abfahrten, extremen Schieflagen der Autos und einem Gewitter kamen wir auch heile wieder auf der Lodge an.

Natürlich sahen wir auch einige Tiere darunter mehrere Giraffen mit Baby-Giraffen und eine Nashorn-Mutter mit Kind. Das Zwischenseminar endete am Donnerstag, jedoch blieben wir noch bis Sonntag in Windhoek um shoppen und feiern zu gehen und um eine unsere Freiwilligen zu verabschieden die auf Grund von Problemen mit ihrer Uni nach einem halben Jahr wieder nach Hause fliegen musste. Außerdem traf ich noch einen Freund aus Deutschland der jetzt auch für drei Monate in der Nähe von Windhoek in einer Grundschule arbeitet. Es war echt schön mal wieder ein bekanntes Gesicht zu sehen der auch viele Leute kennt die ich auch kenne und es war echt interessant zu hören was er so in dem halben Jahr alles schon erlebt hatte. Am Sonntagabend sind wir dann todmüde wieder zurück nach Tsumeb gefahren, denn am Montag fing schon die zweite richtige Arbeitswoche wieder an, natürlich wieder mit vielen kleinen und großen lachenden, schreienden und weinenden Kindern. 

Samstag, 4. Januar 2014

Windhoek, Soussusvlei und Swakopmund

So lange Ferien sind haben wir auch frei hier weil über Weihnachten keine einziges Kind im Kinderdorf ist und natürlich auch im Kindergarten nicht. Also entschieden wir uns ein bisschen zu reisen. Als erstes besuchten wir noch einmal ein paar Tage die Freiwilligen in Windhoek. Bisschen shoppen, bisschen feiern, so verbrachten wir hauptsächlich die Tage dort. Dann ging es am 20. Dezember los nach Soussusvlei. Wir hatten uns ein Auto gemietet welches der Freund von Leonie, einer der Freiwilligen mit denen ich zusammen wohne, fuhr. Auf dem Weg nach Soussusvlei war ich echt froh, dass es gerade nicht regnete denn teilweise ging die sandige Straße schon sehr steil bergab und wieder bergauf und mit dem Auto was wir gemietet hatten, wären wir bei Regen geradewegs wieder heruntergerutscht  und hätten es die Berge gar nicht erst hochgeschafft. Insgesamt gibt es drei Wege um von Windhoek nach Soussusvlei zu fahren. Einen kurzen, einen Langen und einen dazwischen. Wir wählten den mittleren Weg, weil es der einzige war der nicht über einen Pass führt und wir vorher schon gewarnt wurden, dass es sein kann, dass man ohne Geländewagen echte Probleme bei den Pässen bekommen würde. Erstaunlicherweise war der Weg der nicht über den Pass führte für Namibianische Verhältnisse echt gut, obwohl er nicht geteert war. SO erreichten wir dann ohne weitere Vorkommnisse unser Camp im Park. Wenn man nach Soussusvlei fährt, sollte man sich auf jeden Fall innerhalb des Parks einquartieren, nicht nur weil man dann nur einmal für den Park  bezahlt, sondern auch weil man vor Sonnenaufgang und nach Sonnenuntergang noch im Park herumfahren darf. Besucher die nicht im Park wohnen, müssen vor Sonnenuntergang aus dem Park raus sein und dürfen erst nach Sonnenaufgang wieder herein und müssen jedes Mal neu Eintritt bezahlen.  Wir hatten also einen Platz auf dem Campingplatz gebucht und stellten fest: Wir sind völlig falsch ausgestattet. Alle um uns herum hatten riesige Zelte die schon fast kleinen Häusern ähnelten und alle hatten Campingstühle und Tische. Wir dachten der Campingplatz wäre wie im Etosha ausgestattet wo jeder Platz seinen eigenen Tisch und vier Stühle aus Stein hatte und eine Grillstelle. In Soussusvlei gab es allerdings keine Stühle und keine Tische,  nur eine Grillstelle, also mussten wir auf dem Boden essen. Was an sich jetzt auch nicht so schlimm war. Viel schlimmer waren unsere Zelte. Wir hatten uns Zelte aus dem Kinderdorf ausgeliehen die allerdings nicht regendicht sind und auch nicht sonderlich stabil. Es windete allerdings so stark im Camp das wir zwischendurch die Stangen rausnehmen mussten und die Plane mit Steinen beschweren mussten damit uns das Zelt nicht wegflog. Trotz aller Vorsicht sind uns trotzdem leider die Stangen unserer Zelte gebrochen, was schon wirklich ärgerlich war, zudem war es schone echt nervig im Dunkeln jedes Mal das Zelt wieder neu aufzubauen.



 In der Vorletzten Nacht liefen zu allem Überfluss auch noch Skorpione im Camp herum und sogar unter das Zelt von Leonie und ihrem Freund die daraufhin im Auto schliefen. Wir hatten so Angst, dass die Skorpione auch unter unser Zelt krabbeln oder in unser Zelt, weil der Reisverschluss auch nicht mehr richtig geschlossen hatte von unserer Tür, sodass wir die Stellen an der Tür die offen waren mit Pflastern klebten und dann möglichst regungslos in unseren Schlafsäcken versuchten zu schlafen weil die Skorpione zwar wohl nicht durch den Schlafsack stechen können aber durch die Plane von unserem Zelt. Daher waren wir sehr bedacht, die Hände nicht auf den Boden des Zeltes zu legen. In der zweiten Nacht kam zu der Angst vor den Skorpionen auch noch ein Gewitter hinzu sodass kaum einer in unserem Zelt wirklich schlafen konnte, weil wir zudem Angst hatten, das Zelt könnte dem Sturm nicht standhalten und würde über uns einknicken. Mal ganz abgesehen von den schrecklichen Nächten waren die Tage doch sehr schön da. Allerdings waren drei Nächte dann noch etwas zu viel. Wir kletterten auf die Düne 45 und auch auf die Elim Düne und schauten uns dort wunderschöne Sonnenunter- und Aufgänge an. Man unterschätzt allerdings die Höhe der Dünen doch ganz schön und gerade mit Wind ist es verdammt anstrengend auf den Dünen herumzuklettern. 


Dann wanderten wir durch die Wüste zu Hidden Vlei. Zwei Kilometer durch die Wüste zu wandern über Sand ist schon sehr anstrengen und auch Dead Vlei konnte man nur zu Fuß erreichen, allerdings lohnt es sich schon dorthin zu laufen, da es ein wunderschönes Bild ist die vertrockneten Bäume zu sehen die aus dem Boden herausragen wie Hände. 


Natürlich fuhren wir auch nach Soussusvlei rein. Da man dafür allerdings einen Geländewagen braucht, fuhren wir mit dem Shuttle den der Park dort anbietet. Die Landschaft ist wunderschön, allerdings ist es auch extrem warm und am Ende des Tages freut man sich einfach nur auf eine Dusche um den ganzen Sand endlich herauszuwaschen der sich in der Zeit so in den Klamotten und auf der Haut ansammelt. Auch einen Canyon gab es dort durch den wir ein bisschen gewandert sind. An einer Stelle musste man über Steine klettern und kam dann zu einer halboffenen Höhle mit einem kleinen See darin. Wenn man so durch Park fährt, der übrigens eine geteerte Straße hat, sieht man immer mal wieder kleine Antilopen, Strauße und Oryxe. Wirklich schön sind auch die Sonnenuntergänge die die Dünen in ein rotes Licht tauchen, während sich die Farben am Himmel immer wieder ändern. 


Obwohl die Landschaft dort echt schön war, war ich schon froh als wir endlich auf dem Weg nach Swakopmund fahren. Denn durch das schlechte Wetter und den ganze Wind war auch das Grillen dort immer etwas schwierig. An einem Abend hatten wir sogar beschlossen nicht mehr zu grillen da es so windete, dass wir einfach nur noch Brot aßen, die Zelte aufbauten und ins Bett gingen. Da es von Soussusvlei nur einen einzigen Weg nach Swakopmund gibt, mussten wir über zwei Pässe fahren und durch den Naukluft Park. Dieser Weg war zwar auch ganz ok, allerdings musste man an manchen Stellen schon sehr langsam fahren, da wir keinen Geländewagen hatten. Zudem mussten man bei den Pässen schon extrem aufpassen da die Straße an den Seiten steil bergab ging und es am Straßenrand keine einzige Leitplanke gab, typisch Afrika halt. Außerdem war die Straße teilweise sehr schmal und kurvig und an einer Stelle musste man über eine Brücke, die allerdings einfach zur Hälfte von einem umgestürzten Baum versperrt war. Wenn man aber durch den Naukluft Park fährt hat man eine wunderschöne Aussicht auf das Tal und riesige Berge. Nach dem Naukluft Park verläuft die Straße schnurgerade durch die Wüste bis nach Walvis Bay und von dort nach Swakopmund. Es ist schon faszinierend durch die Wüste zu fahren, während um einen herum nichts ist außer Steine und Sand und auch sonst niemand auf der Straße ist. Als wir endlich in Swakopmund angekommen waren und auch das Haus gefunden hatten, was wir gemietet hatten, trafen wir auch die anderen  vier Freiwilligen aus Rehoboth mit denen wir den Urlaub gemeinsam verbringen wollten. Unser Haus war riesig und nur 5 min vom Strand entfernt. Am ersten Abend gingen wir zu einem Mexikaner essen und danach gingen noch ein paar von uns und ich zu einer Hunters Party. Am nächsten Morgen war dann auch schon Weihnachten. Es war schon etwas komisch Weihnachten am Strand zu sein und mehr oder weniger zu schwimmen. Die Wellen waren so hoch, dass es fast unmöglich war ins Wasser hineinzukommen. Am Abend gingen wir in einem Restaurant am Strand essen und feierten dort zusammen Weihnachten. In Namibia wird Weihnachten erst am 25. Dezember gefeiert und die meisten Namibianer verbringen Weihnachten in Swakopmund am Strand und grillen dort. Die restlichen Tage verbrachten wir mit Shoppen, Sandboarding (das ist wie Snowboarden halt nur auf Sand), Lay-down Sandboarding ( man liegt auf einem Brett und fährt so die Düne herunter, wesentlich einfacher wenn man nicht Snowboarden kann ist Sandboarding nämlich auch nicht so einfach), einem Dolphin-Cruise (wir sahen Delfine und Seerobben und es kamen sogar Seerobben und Pelikane auf das Boot), Quadfahren durch die Wüste, einer Colourparty (das ist wie das Holi in Deutschland man hat gefärbtes Mehl und beschmeißt sich gegenseitig damit und am Ende sind alle bunt) und einer Silvesterparty mit mehreren tausend Leuten in einem alten Schwimmbad.



 Insgesamt waren wir 10 Tage in Swakopmund, die uns allen viel zu kurz vorkamen und obwohl wir eine so große Gruppe waren (9 Leute insgesamt) haben wir sehr viel zusammen gemacht und hatten jede Menge Spaß und ich freue mich schon alle auf dem Zwischenseminar am 18. Januar auf einer Lodge in der Nähe von Windhoek wiederzusehen. 

Montag, 9. Dezember 2013

Die Massentaufe






Am Samstagnachmittag wurden wir von einer der Kindergartenlehrerinnen zur Taufe des Kindes ihrer Schwester eingeladen. Die Taufe fand in einer Kirche in der Location statt. Pünktlich um 14 Uhr trafen wir dort ein. Es waren schon einige Familien mit ihren Kindern da, und auch schon einige Kinder die getauft werden sollten. Alle waren festlich angezogen und die meisten Kinder waren auch weiß gekleidet. Einige kleine Kinder hatten sogar Feenflügel an. Insgesamt wurden an diesem Nachmittag 32 Kinder jeglichen Alters getauft. Typisch Namibia fing der Gottesdienst natürlich nicht um 14 Uhr an, sondern etwa 20 Minuten später. Viel habe ich von dem Gottesdienst leider nicht mitbekommen, da der Priester hauptsächlich auf Damara, Oshivambo oder Afrikaans predigte. Einige Stellen sprach er auch auf Englisch, allerdings war sein Englisch so schlecht, dass man ihn kaum verstehen konnte. Zudem hat er extrem einschläfernd und leise geredet, sodass ich, als ich mich umschaute, auch wirklich einige schlafende Kirchenbesucher zählen konnte. Die Taufe an sich dauerte fast 3 Stunden. Immer wieder ging der Priester zu den Kindern die hinter dem Alter mit ihren Müttern in einem Halbkreis saßen und salbte sie oder tröpfelte Wasser auf sie oder auch Salz. Am Ende ging er auch mit einem weißen Kleid herum, legte es jedem Kind auf die Schulter als Zeichen dafür, dass sie nun durch das Wasser gereinigt seien. Wieder einmal sehr faszinierend war der Gesang. Es gab insgesamt 3 Kirchenmitglieder die zwischendurch einfach anfingen zu singen, solange der Priester herumlief, damit keine Stille aufkam. Sie hatten kein Gesangbuch vor sich und trotzdem schienen viele Leute immer wieder zu wissen was sie sangen und stimmten dann lauthals ein. Als endlich das Ende des Gottesdienstes kam, kamen noch einige Danksagungen auch von einem Vater dessen Kind getauft wurde. Als der Priester wieder redete realisierte ich, dass uns plötzlich alle anstarrten. Der Priester hatte uns gedankt, dass wir unsere Zeit mit ihnen verbracht hatten in der Kirche. War ja klar, wir fielen wieder einmal auf, weil wir die einzigen Weißen waren. Etwas unangenehm war es mir schon, dass wir als etwas Besonderes dargestellt wurden, nur weil wir die einzigen Weißen waren. Nachdem die Kirche endlich vorbei war und jeder jedem die Hände geschüttelt hatte und Wünsche überbracht hatte, fuhren wir zu dem Haus der Großeltern der Kindergartenlehrerin. Dort packten wir jede Menge Essen in die Autos und nach einer kurzen Zeit fuhren wir dann zu einem Saal, wo die Taufe noch einmal gefeiert werden sollte.  Als wir angekommen waren, hieß es wieder einmal warten und zwar darauf, dass das Fleisch endlich fertig wurde. Zwischendurch wurde auch eine Rede gehalten, von der Master of Ceremony. Für jede Festlichkeit gibt es immer einen Master of Ceremony der die Gäste durch das Programm führt. Auch hier wurde uns wieder einmal gedankt, dass wir den Abend mit ihnen verbringen. Schon seltsam, denn eigentlich haben wir ja ihnen zu danken, dass wir den Abend mit ihnen verbringen durften. Während wir auf das Essen warteten, wollten alle Bilder mit uns machen und auch nach dem Essen kam es immer noch vor, dass Bilder mit uns gemacht wurden. Nach einiger Zeit wurde dann endlich das Buffet eröffnet und danach wurde fröhlich gefeiert. Leider mussten wir die Feier schon relativ früh verlassen, da wir uns eigentlich noch mit Freunden zum Grillen verabredet hatten. Als wir dort ankamen, grillten wir wirklich noch einmal. Ich glaube ich habe noch sie so viel an einem Tag gegessen. Der Abend war dann auch noch sehr lustig und spät nachts fiel ich dann auch satt und todmüde ins Bett.

Montag, 2. Dezember 2013

Abenteuer Camping auf einer Farm


Von Donnerstag bis Samstag waren wir auf der Farm von den Eltern von einem Freund campen. Mitten in der Wildnis ohne Strom und fließend Wasser. Ok, eine Dusche hatten wir schon aber dafür mussten wir erst mal zu dem Farmhaus fahren. Ansonsten waren wir schon ganz schön abgeschieden, da diese Farm mehrere Hektar groß ist und bis auf das Farmhaus und ein paar künstlich angelegte Wasserstellen dort sonst auch nichts an der Natur verändert wurde. Am Donnerstagmorgen ging es los, erst einmal essen kaufen. Und was dafür natürlich gerade hier in Namibia nicht fehlen: Fleisch. Aber nicht irgendein Fleisch, nein T-Bone Steaks mussten es sein, na gut die sind hier auch extrem billig, und es war einfach so groß wie der Teller. Und natürlich Spieße, eingelegt in den verschiedensten Soßen. Nachdem wir dann alles eingekauft hatten, und nachdem wir ungefähr gefühlte dreimal zur Wohnung zurück fahren mussten weil wir irgendetwas vergessen hatten, ging es dann endlich los zur Farm die etwa 2 Stunden von Tsumeb entfernt ist.Davor haben wir noch einen kurzen Abstecher zu dem Meteoriten gemacht in der Nähe von Grootfontein. Dieser ist dort vor mehreren Tausend Jahren herabgefallen und einer der größten der Welt. Nachdem wir ihn uns angeschaut haben, ging unsere Fahrt auch schon weiter.



Auf der Farm angekommen, hieß es dann erst einmal Stühle, Tische und Matratzen vom Farmhaus holen, ein bisschen Komfort muss schließlich auch in der Wildnis sein. Wir hatten und extra ein riesiges Zelt von einem Freund ausgeliehen, damit die Matratzen auch hineinpassten. Nachdem wir unser Camp an einem Wasserloch aufgeschlagen hatten, hieß es erst einmal Feuer machen und Grillen, denn wir waren alle schon etwas hungrig geworden. Danach sind wir noch ein bisschen auf der Farm herumgefahren und haben uns auch erst mal eine kalte Dusche gegönnt. Dann war es schon wieder Zeit das Abendessen vorzubereiten. Ich hatte ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst als es dunkel wurde, weil dann die ganzen Spinnen rausgekommen und die sind hier teilweise Handflächengroß. Gut das wir eh nur eine Kerze auf dem Tisch stehen hatten und man nicht sehen konnte was unter dem Tisch herumkrabbelte. Zwei kleinere Spinnen haben wir dann auch auf unserem Tisch gesehen aber die waren zum Glück nicht allzu groß.

 Nach dem Abendessen sind wir zur Wasserstelle gegangen, von wo aus man einen unglaublichen Ausblick auf den Sternenhimmel hatte. Nachdem wir noch ein bisschen zusammen saßen am Tisch und etwas getrunken hatten, sind wir dann auch ins Bett gegangen. Ein bisschen gruselig war es schon weil man auf Grund der Kerze gerade Mal einen Meter weit sehen konnte und danach war es einfach nur dunkel. Man hat dort nichts mehr gesehen und es gibt zwar eigentlich keine gefährlichen Tiere auf der Farm nur Antilopen und ungefährliche Wildtiere wie Gnus weil die Farm eingezäunt ist, jedoch gibt es Jakkals, so etwas wie ein wilder Hund der aber eigentlich sehr scheu ist, außer er hat Tollwut, aber trotzdem war es schon gruselig. Nachdem wir die erste Nacht allerdings ohne Vorkommnisse überlebt haben, war ich schon etwas entspannter. Wir sind dann zu einem er hat es „Damm“ genannt gefahren. Eigentlich ist es ein riesiger Behälter aus Stein  in den sie Wasser füllen und es dort aufbewahren und aus diesem riesigen Bottich läuft dann immer ein bisschen Wasser in einen kleinen Trog für die Rinder. Da die Arbeiter den Behälter erst vor ein paar Tagen sauber gemacht hatten, war noch nicht so viel Wasser darin, aber gerade genug um sich hineinzusetzen und abzukühlen, denn es wurde schon ganz schön warm. Nachdem wir es dann auch geschafft hatten in den Behälter hineinzuklettern, haben wir auch den halben Tag darin verbracht und fuhren dann zurück zum Camp um dort im Schatten den Mittag zu verbringen. Gegen Nachmittag fuhren wir wieder zurück zum „Damm“, allerdings fing es dann an in Strömen zu regnen, sodass wir uns nach kurzer Zeit ins Auto setzten um ein bisschen auf der riesigen Farm herumzufahren. Wir sahen sogar einige Gnus die im Regen herumrannten. Gegen Abend liefen wir dann ein bisschen in der Nähe des Camps herum und hatten einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang der den ganzen Himmel rot färbte. Glücklicherweise regnete es nicht weiter sondern tröpfelte nur noch ein bisschen, sodass wir den zweiten Abend auch draußen verbringen konnten und nachdem wir einige Runden Poker gespielt hatten und etwas um das Lagerfeuer herumsaßen, gingen wir dann auch schlafen. 

Am zweiten Abend allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Insekten plötzlich größer geworden waren. Ständig flogen Insekten um das Kerzenlicht herum die aussahen wie aus einer früheren Zeit und zudem auch noch riesig waren. Und zudem hörten wir einen Jakkal relativ nahe am Camp jaulen, zwischenzeitlich haben wir Mädchen uns schon überlegt was wir machen wenn er doch Tollwut hat und uns angreift, allerdings hatte der Freund mit dem wir da waren ein Gewehr dabei, von daher hätte gar nicht so viel passieren können. Am nächsten Morgen haben wir dann gemütlich das Camp abgebaut und sind gegen Mittag wieder zurück nach Tsumeb gefahren.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir uns entschieden hatten von Donnerstag bis Samstag zu campen und nicht von Freitag bis Sonntag, denn der Freund erzählte uns, als er am Abend noch einmal vorbeikam um uns ein paar Sachen zu bringen, dass seine Mutter ihm eine SMS geschrieben hatte, dass die Arbeiter am Samstagmorgen in der Nähe des „Damms“ einen Löwen gesehen hätten, der wohl in die Farm eingebrochen ist. Glücklicherweise haben wir ihn nicht gesehen, obwohl der Damm gar nicht so weit von unserem Camp entfernt war. Aber gut, das ist hier halt Afrika und mit so etwas muss man wohl rechnen, auch wenn die Farm eingezäunt ist.
Am Samstagabend war ich dann noch mit ein paar Freunden feiern und musste feststellen: Es gibt Clubs in Tsumeb! Die erinnern zwar eher an Beachclubs weil sich wegen des Wetters alles draußen abspielt, aber sie hören dort echt coole Musik. Und obwohl ich die einzige Weiße dort war, ist das gar nicht so aufgefallen und der Abend war echt lustig.

Alles in allem war es echt ein spannendes Wochenende und ich glaube, wenn man schon einmal die Möglichkeit hat, auf einer Farm zu campen in der Wildnis, dann sollte man das auch auf jeden Fall mal ausprobieren, aber in nächster Zeit werde ich das wohl nicht wiederholen nicht nur wegen der Insekten, sondern auch wegen der Tatsache, dass man selbst auf der eingezäunten Farm nicht sicher ist vor z.B. Löwen und ich viel zu viel Angst hätte, dass wieder einer auf die Farm einbricht. Da muss ich echt sagen, Respekt an den Freund mit dem wir da waren, der einen Monat lang allein auf der gecampt hat, abseits von jeglicher Zivilisation. 

Donnerstag, 21. November 2013

Welcome to Graduation 2013



Endlich war es soweit. Die Kindergartengraduation fand gestern Abend in der Community Hall statt. Auf diesen Tag hatten wir mit den Kindern hingearbeitet, seit wir im Kindergarten angefangen hatten zu arbeiten. Wir übten Wochenlang die Memoryverse (Verse aus der Bibel), das laute richtige Sprechen (das bei manchen Kindern in einem einzigen angestrengten Geschrei endete in dem sämtliche Töne der Tonleiter ausprobiert wurde während die Augen geschlossen waren, weil es ja so anstrengend war) und die Verbeugung. Wie oft mussten wir das Lachen unterdrücken bei den angestrengten Gesichtern der Kinder und besonders bei dem Vers eines kleinen Kindes der lautete: I am a virgin, how can this be. So oft wurde die verschiedenen Weihnachtslieder geübt und insbesondere die Nationalhymne. Was gäbe es für einen Aufschrei in Deutschland wenn die Kindergartenkinder „On attention“ und mit „Hands to your body“ die Nationalhymne singen würden. Aber hier gehört das einfach dazu.  Am Ende lief die ganze Veranstaltung für Namibianische Verhältnisse erstaunlich geordnet ab. Am Morgen dekorierten wir mit 2 der Kindergärtnerinnen die Community Hall. Wir sollten um 5 Uhr da sein und schwarz oder weiß angezogen sein. Also gingen wir nach dem Dekorieren nach Hause, machten uns frisch und zogen uns um. Um viertel vor 5 machten wir uns dann auf dem Weg zu Community Hall die in der Location ist. Auf dem Weg dorthin machten wir eine sehr merkwürdige Begegnung. In der Location ist es eher selten das Weiße herumlaufen aber an sich ist es kein Problem dort herumzulaufen, man wird nur sehr merkwürdig angeschaut. Aber gestern kam doch tatsächlich ein schwarzer Mann auf uns zu und zeigte in Richtung der Community Hall zu der wir gerade liefen und meinte: „ Ihr lauft in die falsche Richtung. Das hier ist Buschmanngebiet.“ Dann zeigte er in die andere Richtung wo die Innenstadt liegt und meinte: „ In dieser Richtung ist die Town.“  In dem Moment muss ich sagen, kam ich mir schon ein  bisschen diskriminiert vor. Nur weil es nicht so oft vorkommt das dort Weiße herumlaufen und nur weil wir weiß sind dürfen wir also nicht dort herumlaufen. Naja, nachdem wir ihn dann einfach ignoriert haben und weitergegangen sind, kamen wir dann auch ohne weitere Vorfälle an der Community Hall an. Dort warteten sogar ein schon paar Eltern mit ihren Kindern die alle super herausgeputzt waren. Die Jungs trugen Anzüge und die Mädchen weiße Kleider die einen an Hochzeitskleider erinnern. Ein paar der Mädchen waren sogar geschminkt. Die Veranstaltung wurde sogar recht pünktlich begonnen. Immer wieder kamen dann zwar noch verspätete Eltern herein, aber das schien auch keinen zu stören. Es wurden Weihnachtslieder wie z.B. Joy to the world oder Silent night gesungen und natürlich wurden auch die lange geprobten Verse aufgesagt. Erstaunlicherweise haben nur sehr wenige Kinder ihre Verse vergessen, obwohl sie doch alle sehr aufgeregt waren. Am Ende wurde den Kindern die den Kindergarten verlassen um auf die Grundschule zu gehen ein Zertifikat überreicht, das bescheinigt, dass sie im Kindergarten gewesen waren. Dabei trugen sie schwarze Roben und Kappen und sahen aus wie kleine Uniabsolventen. Und eine Überraschung gab es auch noch für die Eltern. Wir sangen mit den Kindern zusammen „Oh Tannenbaum“ als Abschluss. Alle Kinder waren am Ende total geschafft und müde aber man sah ihnen an wie stolz sie waren. Auch die Eltern waren alle so stolz auf ihre Kleinen. Es war echt schön, dass wir die Vorbereitungen von Anfang an miterlebt haben und so viel dazu beitragen konnten, um dann am Ende das Ergebnis zu sehen, das wirklich toll war. 

Sonntag, 3. November 2013

Copper Festival in Tsumeb

Copper, Copper, Copper. Dieses Wochenende war Copper Festival in Tsumeb von Donnerstag bis Samstag. Das ist so in etwa das Highlight des Jahres hier (sonst passiert hier ja auch nicht so viel). Schon Wochen vorher wurden ständig Meetings im Kinderdorf abgehalten um die Organisation des SOS Standes zu organisieren. „Ja, die Leute hier lieben Meetings“, wie eine Mitarbeiterin des FSP so schön sagte. Auch im Kindergarten war schon eine Woche vorher von nichts anderem mehr die Rede als das Copper Festival, sowohl bei den Kindern als auch den Lehrerinnen. Dementsprechend war ich natürlich schon gespannt wie es werden würde. Allerdings wurde uns auch gesagt, dass wir aufpassen sollten und keine Taschen mitnehmen sollten, denn die würden uns geklaut werden. Zudem hatte fast jedes Kind diese Spielzeugpistolen mit denen man kleine gelbe Kügelchen schießen kann und die ganz schön weh tun wenn man sie abbekommt. Da es allerdings viel zu warm für eine lange Hose war, nahmen wir das Risiko in Kauf getroffen zu werden und blaue Flecken zu bekommen. Im Nachhinein ging es auch so lang man nicht direkt in der Nähe der Kinder stand. Das Copper Festival fand in dem großen Park von Tsumeb statt. Auf der einen Seite standen lauter Zelte und Stände die Essen, hauptsächlich Gegrilltes, verkauften und auf der anderen Seite standen Zelte und Stände die Schmuck, Schminke, T-Shirts, Kleider und traditionelle Anziehsachen verkauften.  

Als wir am Donnerstag das erste Mal dort waren, liefen die ganze Zeit kleine Kinder hinter uns her und beobachteten uns und wollten Geld von uns, als wir allerdings einen Tag später da waren, wurden wir fast weitgehend von den Kindern in Ruhe gelassen. Es gab super viele und schöne Armbänder die alle auch noch echt billig waren. Da musste ich natürlich erst mal einige kaufen, am Ende war mein ganzer Arm voll von Armbändern  weil ich sie alle angezogen hatte, damit sie mir nicht geklaut werden. Denn uns wurde auch gesagt, dass es vorkommen kann, dass gerade die Kinder auch das Geld aus der Hosentasche klauen. Insgesamt wurde uns glücklicherweise nichts geklaut. Auch die Kinder aus dem Kinderdorf waren die ganze Zeit auf dem Copper Festival und so trafen wir immer wieder bekannte Gesichter, ja Tsumeb ist schon eher ein kleines Städtchen. Allerdings hörten wir auch viele negative Sachen über da Copper Festival. Gerade Abends sollte man da nicht mehr hingehen, weil so viele Leute sich betrinken und einen dann ausrauben oder schlimmeres. Ein Bekannter unserer Afrikaanslehrerin, übrigens ein Weißer, erzählte uns auch dass die Weißen hier in Tsumeb gar nicht oder nur selten auf das Copper Festival gehen und es auch das Charcoal Festival nennen weil: „Everywhere is black, just black people.“ Ja die wenigen Weißen die hier leben sind unglaublich rassistisch und trennen sich auch ganz stark von der schwarzen Bevölkerung ab. Sie leben in anderen Bereichen der Stadt, gehen meistens auf Privatschulen oder werden zu Hause unterrichtet und wenn sie „feiern“ gehen, in den Flying Club oder Gspot, dann sind da wirklich auch nur Weiße. Als wir auf dem Copper Festival waren, waren wir zwar wirklich fast die einzigen Weißen aber bis auf das wir ab und zu etwas erstaunt angeschaut wurden und einer auch zu uns kam und ein Foto mit uns machen wollte mit dem Kommentar: Wir haben hier so wenige Weiße, ich will deshalb ein Foto mit euch machen.“ waren alle anderen Leute super  nett zu uns.
An einem Stand konnte man typische getrocknete Snacks der Oshivambo kaufen und die Frau am Stand hatte richtig Spaß uns daran uns zu erzählen wie die verschiedenen Sachen heißen, wie man sie isst und sie uns zum probieren anzubieten. Wir kauften dort dann auch kleine runde getrocknete Früchte die ein bisschen wie Rosinen schmecken. Den Namen der Frucht erzählte sie uns auch, allerdings habe ich diesen leider wieder vergessen.



Am Freitag waren wir auch noch auf einer Hausparty von einem Bekannten, übrigens ein Schwarzer, und ich hatte ein bisschen die Befürchtung, dass sie alle denken könnten wir wären genau so rassistisch wie die Weißen die hier leben. Gut dass sich diese Befürchtung nicht bewahrheitete. Wir waren zwar die einzigen Weißen, es zeigte sich mal wieder die Trennung der Weißen und Schwarzen hier, Weiße haben keine Schwarzen Freunde und umgekehrt dann natürlich auch nicht, aber nachdem wir 5 Minuten da waren unterhielten sich alle Leute ganz normal mit uns und plötzlich saßen wir mit den Mädchen zusammen und hatten echt super viel Spaß. Ständig wollten sie Fotos machen, ja die Afrikaner lieben es alle super viele Fotos zu machen, und natürlich gegrillt wurde auch und zwar typisch Afrikanisch. Es wurde einfach jede Menge Fleisch auf den Grill gepackt und dann in einem großen Topf auf den Tisch gestellt und jeder konnte sich bedienen. Natürlich wurde auch nur mit den Händen gegessen, langsam gewöhnt man sich echt daran auch wenn ich teilweise das Gefühl hab dass es noch nicht ganz so elegant aussieht wie bei den afrikanischen Mädchen.  Insgesamt muss ich auch sagen, dass die Afrikaner wesentlich cooler, offener und lustiger sind als die wenigen Weißen die wir hier bis jetzt kennen gelernt haben. Und außerdem sind die Afrikaner, soweit ich das bis jetzt mitbekommen habe, weniger bis gar nicht rassistisch gegenüber Weißen, im Gegensatz zu den Weißen. Schon traurig, dass die Weißen, die hier ja eindeutig in der Minderheit leben, so schlecht über die Schwarzen reden und sich so von ihnen abkapseln und sich als etwas Besseres fühlen, obwohl sie sich gar nicht so groß von ihnen unterscheiden, bis auf in ihrer Hautfarbe. Naja, nach diesem Wochenende mit so vielen Neuen Erfahrungen, neuen Menschen und Eindrücken muss ich heute, also am Sonntag erst mal entspannen und mich ein wenig auf den Kindergarten vorbereiten, denn der war am Donnerstag und Freitag auf Grund des Copper Festivals ausgefallen. Ein wenig habe ich die kleinen Racker ja schon vermisst, mal schauen wie es dann am Montag sein wird, wieder einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf zu haben. Denn da die Kinder aus dem Kinderdorf fast alle den ganzen Tag auf dem Copper waren, fielen sämtliche Nachmittagsaktivitäten mit ihnen von Mittwoch bis Freitag aus.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Weekendtrip to Windhoek


An diesem Wochenende sind wir nach Windhoek gefahren um die anderen Freiwilligen dort zu besuchen und den Geburtstag von Giulia zu feiern. Die günstigste Möglichkeit in Namibia zu reisen ist mit den öffentlichen Bussen. Der Fahrer des Kinderdorfes hatte uns gezeigt, an welcher Tankstelle wir warten müssen. Da es allerdings keine Abfahrtszeiten gibt, sind wir morgens auf gut Glück mit unseren Rucksäcken und Schlafsäcken zur Tankstelle gelaufen. Die Busse die nach Windhoek fahren, starten alle im Norden, sind also erst gegen 11 Uhr  in Tsumeb. Als wir an der Tankstelle ankamen, wurden wir sofort gefragt ob wir nach Windhoek fahren wollen. Als wir dies bejahten, meinten sie wir sollten uns einfach neben die Rundhütte stellen. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. Plötzlich standen 5 Männer um uns herum und jeder war der Meinung wir sollten doch in seinen Bus steigen, da sie für jeden Passagier Provision bekommen. Zwischendurch wurden uns immer auch private Autos angeboten. Das Ganze nicht in einer normalen Lautstärke, sondern sie schrien schon fast und jeder wollte der lauteste sein um uns zu überzeugen, damit er die Provision bekommt. Als wir endgültig keine Nerven mehr hatten, beschlossen wir uns einfach einen auszusuchen und sagten, wir würden in seinen Bus steigen. Danach hatte sich die Diskussion erledigt und wir wurden nicht mehr angeschrien, sondern konnten uns ganz in Ruhe in die Rundhütte setzen zu den anderen Passagieren und auf den Bus warten. Derjenige, der für den Bus zuständig war, telefonierte immer wieder mit dem Fahrer und hielt uns immer wieder auf dem Laufenden wie weit der Bus denn wäre.  Plötzlich konnten alle auch in einer normalen Lautstärke reden und waren nun sogar etwas an Deutschland interessiert. Da kamen dann allerdings Fragen wie: „Was sprecht ihr in Deutschland? Englisch?“ . So gegen 11 kam dann auch der Minibus und wir stiegen ein. Insgesamt haben wir 160 N$ für die Busfahrt nach Windhoek und 10N$ „Provision“ an denjenigen bezahlt, der uns in den Bus gesetzt. Somit haben wir für die Hinfahrt noch nicht einmal 16 € bezahlt. In dem Minibus saßen bereits einige Passagiere und wir beschlossen uns nach vorne zu setzen und unsere Rucksäcke und Schlafsäcke vor unsere Füße zu stellen, obwohl wir dadurch nicht mehr viel Platz hatten, aber der kleine Anhänger hintendran sah nicht sehr vertrauenserweckend aus. Die Fahrt nach Windhoek ging also los, aber vorher musste natürlich noch das Radio auf volle Lautstärke gedreht werden und es ertönte die ganze Zeit Musik mit mehr oder weniger guter Qualität aus den Lautsprechern. Auf dem Weg hielten wir immer mal wieder an verschiedenen Haltestellen an um weitere Leute einzusammeln. Da bemerkten wir auch, dass alle anderen genauso angeschrien werden von den Leuten die versuchen sie in ihre Busse zu bekommen. Nach fast 5 Stunden Fahrt mit mehr oder weniger kritischen Überholmanövern erreichten wir aber dennoch unversehrt Windhoek. Da erst mal jedoch der nächste Schock. Wir erwarteten an einer Tankstelle in Windhoek raus gelassen zu werden. Stattdessen hielt der Bus an einer Tankstelle namens „Monte Christo“ die allerdings direkt in Katutura liegt. Ein bisschen unwohl war uns schon wie wir da mit unseren Rucksäcken standen und auf das Taxi warteten. E s fuhren zwar ständig an uns vorbei, allerdings meinten die Freiwilligen, dass diese meist nicht wüssten wo das Hostel ist, was direkt gegenüber von ihrem Haus ist. Daher mussten wir uns ein Dial-a-cab rufen, welches zwar teurer ist, dafür aber jedoch wusste wo wir hinmussten. Während wir so warteten, wurden wir ständig angehupt und zwischendurch auch mal nach unseren Handynummern gefragt und ob wir nicht Freunde mit ihnen werden wollen. Nachdem wir allerdings gesagt haben, dass wir weder mit ihnen zusammen sein wollen noch unsere Handynummer rausrücken wurden wir auch komplett in Ruhe gelassen und nur noch angestarrt. Die Kindergartenlehrer meinten übrigens im Nachhinein „ Waaaaas ? Monte Christo? Hattet ihr keine Angst?“ und waren schon etwas erschrocken. So schlimm allerdings war es da dann doch nicht. Nach einer halben Stunde kam dann auch das Taxi und brachte uns sicher zum Haus der anderen Freiwilligen, welches auch in Katutura, allerdings einem besseren Teil davon, liegt. Nachdem wir ein bisschen Kuchen gegessen hatten, und auch die Leute aus dem Hostel gegenüber kennengelernt hatte, sind wir dann erst mal in einem sehr schicken Restaurant essen gegangen. Allerdings war es gar nicht einmal so teuer wie erwartet. Danach zogen wir uns um und erkundeten das Nachtleben von Windhoek. Und oh Wunder über Wunder es gab richtige Clubs, nicht so komische Bars wie in Tsumeb sondern richtige Clubs mit Tanzfläche und richtigem DJ. Nach einer durchfeierten Nacht, sind wir am nächsten Tag erst mal ein bisschen shoppen gegangen. Am Abend veranstaltete das Hostel einen Braai und danach sind wir noch einmal in einen anderen Club in Windhoek gegangen. Am nächsten Morgen mussten wir relativ früh aufstehen, weil der Busfahrer meinte, er würde so gegen 10 Uhr losfahren. Es gibt allerdings mehrere Busse die von Windhoek aus in den Norden fahren, von daher war es nicht so schlimm, dass wir zwar um 10 an der Tankstelle standen, von dem Busfahrer allerdings weit und breit nichts zu sehen war. Stattdessen wurden wir plötzlich von fast 15 Männern umzingelt die uns wieder einmal anschrien um uns zu überzeugen, doch mit ihrem Bus zu fahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit saßen wir dann endlich in einem Bus drin. Dieser war allerdings, anders als auf dem Weg von Tsumeb nach Windhoek, voll besetzt. Wir quetschten also uns und unsere Sachen auf die Rückbank, auf der bereits 2 Frauen saßen. Und nach einigem warten auf die anderen Passagiere die sich noch Essen kauften, ging es dann auch los, zurück nach Tsumeb. Es war extrem warm im Bus und aus dem Radio tönte keine Musik sondern, wir vermuten es zumindest, eine Predigt, die fast 3 Stunden lang ging. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann auch endlich wieder Tsumeb. Zwischendurch hatten wir im Bus noch einen Chefkoch aus dem Halali Camp im Etosha Nationalpark kennengelernt, der mit seiner Familie unterwegs war. Da er auch in Tsumeb ausstieg, half er uns erst mal aus dem Bus zu kommen, denn dieser hielt einige Meter vor der Tankstelle vor den Ständen von dem Open Market. Als die Tür aufging stürmten sofort 20 Menschen auf die Öffnung zu, um ihre Waren an die Passagiere im Bus zu verkaufen, was allerdings ein herauskommen aus dem Bus fast unmöglich machte. Aber dank der Hilfe des Kochs schafften wir es dann doch. Wieder in der Wohnung angekommen, erzählten uns die beiden anderen Freiwilligen erst einmal: Stromausfall. In ganz Tsumeb war der Strom von morgens bis abends um 18 Uhr einfach abgestellt worden, damit etwas an den Leitungen repariert werden konnte. Das gibt es auch nur in Namibia. Nach diesem anstrengenden Tag bin ich dann allerdings auch nach dem Abendessen sofort ins Bett gegangen, denn am nächsten Morgen wartete ja wieder der Kindergarten auf uns.

Insgesamt war es ein echt schöner und auch anstrengender Trip nach Windhoek und es war echt interessant auch mal zu sehen, wie die anderen wohnen und Leben (sie benutzen z.B. immer ein Taxi, während wir hier in Tsumeb noch kein einziges Taxi von innen gesehen haben, weil man überall hinlaufen kann). Und zu unsere Art zu reisen: An sich ist es zu zweit kein Problem auch wenn man mitten in Katutura rausgelassen wird, aber alleine würde ich so nicht reisen, weil es dann doch nicht so toll ist erst mal von allen Seiten angeschrien zu werden. Und es in Windhoek schon nicht so toll war als plötzlich 15 Männer um einen herumstanden und einen lautstark versuchten zu überzeugen, doch in ihren Bus zu steigen.