Am Samstagnachmittag wurden wir von einer der
Kindergartenlehrerinnen zur Taufe des Kindes ihrer Schwester eingeladen. Die Taufe
fand in einer Kirche in der Location statt. Pünktlich um 14 Uhr trafen wir dort
ein. Es waren schon einige Familien mit ihren Kindern da, und auch schon einige
Kinder die getauft werden sollten. Alle waren festlich angezogen und die
meisten Kinder waren auch weiß gekleidet. Einige kleine Kinder hatten sogar
Feenflügel an. Insgesamt wurden an diesem Nachmittag 32 Kinder jeglichen Alters
getauft. Typisch Namibia fing der Gottesdienst natürlich nicht um 14 Uhr an,
sondern etwa 20 Minuten später. Viel habe ich von dem Gottesdienst leider nicht
mitbekommen, da der Priester hauptsächlich auf Damara, Oshivambo oder Afrikaans
predigte. Einige Stellen sprach er auch auf Englisch, allerdings war sein
Englisch so schlecht, dass man ihn kaum verstehen konnte. Zudem hat er extrem
einschläfernd und leise geredet, sodass ich, als ich mich umschaute, auch
wirklich einige schlafende Kirchenbesucher zählen konnte. Die Taufe an sich
dauerte fast 3 Stunden. Immer wieder ging der Priester zu den Kindern die
hinter dem Alter mit ihren Müttern in einem Halbkreis saßen und salbte sie oder
tröpfelte Wasser auf sie oder auch Salz. Am Ende ging er auch mit einem weißen
Kleid herum, legte es jedem Kind auf die Schulter als Zeichen dafür, dass sie
nun durch das Wasser gereinigt seien. Wieder einmal sehr faszinierend war der Gesang.
Es gab insgesamt 3 Kirchenmitglieder die zwischendurch einfach anfingen zu
singen, solange der Priester herumlief, damit keine Stille aufkam. Sie hatten
kein Gesangbuch vor sich und trotzdem schienen viele Leute immer wieder zu
wissen was sie sangen und stimmten dann lauthals ein. Als endlich das Ende des
Gottesdienstes kam, kamen noch einige Danksagungen auch von einem Vater dessen
Kind getauft wurde. Als der Priester wieder redete realisierte ich, dass uns
plötzlich alle anstarrten. Der Priester hatte uns gedankt, dass wir unsere Zeit
mit ihnen verbracht hatten in der Kirche. War ja klar, wir fielen wieder einmal
auf, weil wir die einzigen Weißen waren. Etwas unangenehm war es mir schon,
dass wir als etwas Besonderes dargestellt wurden, nur weil wir die einzigen
Weißen waren. Nachdem die Kirche endlich vorbei war und jeder jedem die Hände
geschüttelt hatte und Wünsche überbracht hatte, fuhren wir zu dem Haus der
Großeltern der Kindergartenlehrerin. Dort packten wir jede Menge Essen in die
Autos und nach einer kurzen Zeit fuhren wir dann zu einem Saal, wo die Taufe
noch einmal gefeiert werden sollte. Als
wir angekommen waren, hieß es wieder einmal warten und zwar darauf, dass das
Fleisch endlich fertig wurde. Zwischendurch wurde auch eine Rede gehalten, von
der Master of Ceremony. Für jede Festlichkeit gibt es immer einen Master of Ceremony
der die Gäste durch das Programm führt. Auch hier wurde uns wieder einmal
gedankt, dass wir den Abend mit ihnen verbringen. Schon seltsam, denn
eigentlich haben wir ja ihnen zu danken, dass wir den Abend mit ihnen
verbringen durften. Während wir auf das Essen warteten, wollten alle Bilder mit
uns machen und auch nach dem Essen kam es immer noch vor, dass Bilder mit uns
gemacht wurden. Nach einiger Zeit wurde dann endlich das Buffet eröffnet und
danach wurde fröhlich gefeiert. Leider mussten wir die Feier schon relativ früh
verlassen, da wir uns eigentlich noch mit Freunden zum Grillen verabredet
hatten. Als wir dort ankamen, grillten wir wirklich noch einmal. Ich glaube ich
habe noch sie so viel an einem Tag gegessen. Der Abend war dann auch noch sehr
lustig und spät nachts fiel ich dann auch satt und todmüde ins Bett.
Montag, 9. Dezember 2013
Montag, 2. Dezember 2013
Abenteuer Camping auf einer Farm
Von Donnerstag bis Samstag waren wir auf der Farm von den
Eltern von einem Freund campen. Mitten in der Wildnis ohne Strom und fließend
Wasser. Ok, eine Dusche hatten wir schon aber dafür mussten wir erst mal zu dem
Farmhaus fahren. Ansonsten waren wir schon ganz schön abgeschieden, da diese
Farm mehrere Hektar groß ist und bis auf das Farmhaus und ein paar künstlich
angelegte Wasserstellen dort sonst auch nichts an der Natur verändert wurde. Am
Donnerstagmorgen ging es los, erst einmal essen kaufen. Und was dafür natürlich
gerade hier in Namibia nicht fehlen: Fleisch. Aber nicht irgendein Fleisch,
nein T-Bone Steaks mussten es sein, na gut die sind hier auch extrem billig,
und es war einfach so groß wie der Teller. Und natürlich Spieße, eingelegt in
den verschiedensten Soßen. Nachdem wir dann alles eingekauft hatten, und
nachdem wir ungefähr gefühlte dreimal zur Wohnung zurück fahren mussten weil
wir irgendetwas vergessen hatten, ging es dann endlich los zur Farm die etwa 2
Stunden von Tsumeb entfernt ist.Davor
haben wir noch einen kurzen Abstecher zu dem Meteoriten gemacht in der Nähe von
Grootfontein. Dieser ist dort vor mehreren Tausend Jahren herabgefallen und
einer der größten der Welt. Nachdem wir ihn uns angeschaut haben, ging unsere
Fahrt auch schon weiter.
Auf der Farm angekommen, hieß es dann erst
einmal Stühle, Tische und Matratzen vom Farmhaus holen, ein bisschen Komfort
muss schließlich auch in der Wildnis sein. Wir hatten und extra ein riesiges
Zelt von einem Freund ausgeliehen, damit die Matratzen auch hineinpassten. Nachdem
wir unser Camp an einem Wasserloch aufgeschlagen hatten, hieß es erst einmal
Feuer machen und Grillen, denn wir waren alle schon etwas hungrig geworden.
Danach sind wir noch ein bisschen auf der Farm herumgefahren und haben uns auch
erst mal eine kalte Dusche gegönnt. Dann war es schon wieder Zeit das
Abendessen vorzubereiten. Ich hatte ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst als
es dunkel wurde, weil dann die ganzen Spinnen rausgekommen und die sind hier
teilweise Handflächengroß. Gut das wir eh nur eine Kerze auf dem Tisch stehen
hatten und man nicht sehen konnte was unter dem Tisch herumkrabbelte. Zwei
kleinere Spinnen haben wir dann auch auf unserem Tisch gesehen aber die waren
zum Glück nicht allzu groß.
Nach dem Abendessen sind wir zur Wasserstelle
gegangen, von wo aus man einen unglaublichen Ausblick auf den Sternenhimmel
hatte. Nachdem wir noch ein bisschen zusammen saßen am Tisch und etwas getrunken
hatten, sind wir dann auch ins Bett gegangen. Ein bisschen gruselig war es
schon weil man auf Grund der Kerze gerade Mal einen Meter weit sehen konnte und
danach war es einfach nur dunkel. Man hat dort nichts mehr gesehen und es gibt
zwar eigentlich keine gefährlichen Tiere auf der Farm nur Antilopen und
ungefährliche Wildtiere wie Gnus weil die Farm eingezäunt ist, jedoch gibt es
Jakkals, so etwas wie ein wilder Hund der aber eigentlich sehr scheu ist, außer
er hat Tollwut, aber trotzdem war es schon gruselig. Nachdem wir die erste
Nacht allerdings ohne Vorkommnisse überlebt haben, war ich schon etwas
entspannter. Wir sind dann zu einem er hat es „Damm“ genannt gefahren.
Eigentlich ist es ein riesiger Behälter aus Stein in den sie Wasser füllen und es dort
aufbewahren und aus diesem riesigen Bottich läuft dann immer ein bisschen
Wasser in einen kleinen Trog für die Rinder. Da die Arbeiter den Behälter erst
vor ein paar Tagen sauber gemacht hatten, war noch nicht so viel Wasser darin,
aber gerade genug um sich hineinzusetzen und abzukühlen, denn es wurde schon
ganz schön warm. Nachdem wir es dann auch geschafft hatten in den Behälter
hineinzuklettern, haben wir auch den halben Tag darin verbracht und fuhren dann
zurück zum Camp um dort im Schatten den Mittag zu verbringen. Gegen Nachmittag
fuhren wir wieder zurück zum „Damm“, allerdings fing es dann an in Strömen zu
regnen, sodass wir uns nach kurzer Zeit ins Auto setzten um ein bisschen auf
der riesigen Farm herumzufahren. Wir sahen sogar einige Gnus die im Regen
herumrannten. Gegen Abend liefen wir dann ein bisschen in der Nähe des Camps
herum und hatten einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang der den ganzen Himmel
rot färbte. Glücklicherweise regnete es nicht weiter sondern tröpfelte nur noch
ein bisschen, sodass wir den zweiten Abend auch draußen verbringen konnten und nachdem
wir einige Runden Poker gespielt hatten und etwas um das Lagerfeuer herumsaßen,
gingen wir dann auch schlafen.
Am zweiten Abend allerdings hatte ich das
Gefühl, dass die Insekten plötzlich größer geworden waren. Ständig flogen
Insekten um das Kerzenlicht herum die aussahen wie aus einer früheren Zeit und
zudem auch noch riesig waren. Und zudem hörten wir einen Jakkal relativ nahe am
Camp jaulen, zwischenzeitlich haben wir Mädchen uns schon überlegt was wir
machen wenn er doch Tollwut hat und uns angreift, allerdings hatte der Freund
mit dem wir da waren ein Gewehr dabei, von daher hätte gar nicht so viel
passieren können. Am nächsten Morgen haben wir dann gemütlich das Camp abgebaut
und sind gegen Mittag wieder zurück nach Tsumeb gefahren.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir uns entschieden
hatten von Donnerstag bis Samstag zu campen und nicht von Freitag bis Sonntag,
denn der Freund erzählte uns, als er am Abend noch einmal vorbeikam um uns ein
paar Sachen zu bringen, dass seine Mutter ihm eine SMS geschrieben hatte, dass
die Arbeiter am Samstagmorgen in der Nähe des „Damms“ einen Löwen gesehen
hätten, der wohl in die Farm eingebrochen ist. Glücklicherweise haben wir ihn
nicht gesehen, obwohl der Damm gar nicht so weit von unserem Camp entfernt war.
Aber gut, das ist hier halt Afrika und mit so etwas muss man wohl rechnen, auch
wenn die Farm eingezäunt ist.
Am Samstagabend war ich dann noch mit ein paar Freunden
feiern und musste feststellen: Es gibt Clubs in Tsumeb! Die erinnern zwar eher
an Beachclubs weil sich wegen des Wetters alles draußen abspielt, aber sie
hören dort echt coole Musik. Und obwohl ich die einzige Weiße dort war, ist das
gar nicht so aufgefallen und der Abend war echt lustig.
Alles in allem war es echt ein spannendes Wochenende und ich
glaube, wenn man schon einmal die Möglichkeit hat, auf einer Farm zu campen in
der Wildnis, dann sollte man das auch auf jeden Fall mal ausprobieren, aber in
nächster Zeit werde ich das wohl nicht wiederholen nicht nur wegen der
Insekten, sondern auch wegen der Tatsache, dass man selbst auf der eingezäunten
Farm nicht sicher ist vor z.B. Löwen und ich viel zu viel Angst hätte, dass
wieder einer auf die Farm einbricht. Da muss ich echt sagen, Respekt an den
Freund mit dem wir da waren, der einen Monat lang allein auf der gecampt hat,
abseits von jeglicher Zivilisation.
Donnerstag, 21. November 2013
Welcome to Graduation 2013
Endlich war es soweit. Die Kindergartengraduation fand
gestern Abend in der Community Hall statt. Auf diesen Tag hatten wir mit den
Kindern hingearbeitet, seit wir im Kindergarten angefangen hatten zu arbeiten.
Wir übten Wochenlang die Memoryverse (Verse aus der Bibel), das laute richtige
Sprechen (das bei manchen Kindern in einem einzigen angestrengten Geschrei endete
in dem sämtliche Töne der Tonleiter ausprobiert wurde während die Augen
geschlossen waren, weil es ja so anstrengend war) und die Verbeugung. Wie oft
mussten wir das Lachen unterdrücken bei den angestrengten Gesichtern der Kinder
und besonders bei dem Vers eines kleinen Kindes der lautete: I am a virgin, how
can this be. So oft wurde die verschiedenen Weihnachtslieder geübt und
insbesondere die Nationalhymne. Was gäbe es für einen Aufschrei in Deutschland
wenn die Kindergartenkinder „On attention“ und mit „Hands to your body“ die
Nationalhymne singen würden. Aber hier gehört das einfach dazu. Am Ende lief die ganze Veranstaltung für Namibianische
Verhältnisse erstaunlich geordnet ab. Am Morgen dekorierten wir mit 2 der
Kindergärtnerinnen die Community Hall. Wir sollten um 5 Uhr da sein und schwarz
oder weiß angezogen sein. Also gingen wir nach dem Dekorieren nach Hause,
machten uns frisch und zogen uns um. Um viertel vor 5 machten wir uns dann auf
dem Weg zu Community Hall die in der Location ist. Auf dem Weg dorthin machten
wir eine sehr merkwürdige Begegnung. In der Location ist es eher selten das
Weiße herumlaufen aber an sich ist es kein Problem dort herumzulaufen, man wird
nur sehr merkwürdig angeschaut. Aber gestern kam doch tatsächlich ein schwarzer
Mann auf uns zu und zeigte in Richtung der Community Hall zu der wir gerade
liefen und meinte: „ Ihr lauft in die falsche Richtung. Das hier ist
Buschmanngebiet.“ Dann zeigte er in die andere Richtung wo die Innenstadt liegt
und meinte: „ In dieser Richtung ist die Town.“
In dem Moment muss ich sagen, kam ich mir schon ein bisschen diskriminiert vor. Nur weil es nicht
so oft vorkommt das dort Weiße herumlaufen und nur weil wir weiß sind dürfen
wir also nicht dort herumlaufen. Naja, nachdem wir ihn dann einfach ignoriert
haben und weitergegangen sind, kamen wir dann auch ohne weitere Vorfälle an der
Community Hall an. Dort warteten sogar ein schon paar Eltern mit ihren Kindern
die alle super herausgeputzt waren. Die Jungs trugen Anzüge und die Mädchen
weiße Kleider die einen an Hochzeitskleider erinnern. Ein paar der Mädchen
waren sogar geschminkt. Die Veranstaltung wurde sogar recht pünktlich begonnen.
Immer wieder kamen dann zwar noch verspätete Eltern herein, aber das schien
auch keinen zu stören. Es wurden Weihnachtslieder wie z.B. Joy to the world
oder Silent night gesungen und natürlich wurden auch die lange geprobten Verse
aufgesagt. Erstaunlicherweise haben nur sehr wenige Kinder ihre Verse
vergessen, obwohl sie doch alle sehr aufgeregt waren. Am Ende wurde den Kindern
die den Kindergarten verlassen um auf die Grundschule zu gehen ein Zertifikat
überreicht, das bescheinigt, dass sie im Kindergarten gewesen waren. Dabei
trugen sie schwarze Roben und Kappen und sahen aus wie kleine Uniabsolventen.
Und eine Überraschung gab es auch noch für die Eltern. Wir sangen mit den Kindern
zusammen „Oh Tannenbaum“ als Abschluss. Alle Kinder waren am Ende total
geschafft und müde aber man sah ihnen an wie stolz sie waren. Auch die Eltern
waren alle so stolz auf ihre Kleinen. Es war echt schön, dass wir die Vorbereitungen
von Anfang an miterlebt haben und so viel dazu beitragen konnten, um dann am
Ende das Ergebnis zu sehen, das wirklich toll war.
Sonntag, 3. November 2013
Copper Festival in Tsumeb
Copper, Copper, Copper. Dieses Wochenende war Copper Festival in Tsumeb von
Donnerstag bis Samstag. Das ist so in etwa das Highlight des Jahres hier (sonst
passiert hier ja auch nicht so viel). Schon Wochen vorher wurden ständig
Meetings im Kinderdorf abgehalten um die Organisation des SOS Standes zu
organisieren. „Ja, die Leute hier lieben Meetings“, wie eine Mitarbeiterin des
FSP so schön sagte. Auch im Kindergarten war schon eine Woche vorher von nichts
anderem mehr die Rede als das Copper Festival, sowohl bei den Kindern als auch
den Lehrerinnen. Dementsprechend war ich natürlich schon gespannt wie es werden
würde. Allerdings wurde uns auch gesagt, dass wir aufpassen sollten und keine
Taschen mitnehmen sollten, denn die würden uns geklaut werden. Zudem hatte fast
jedes Kind diese Spielzeugpistolen mit denen man kleine gelbe Kügelchen
schießen kann und die ganz schön weh tun wenn man sie abbekommt. Da es
allerdings viel zu warm für eine lange Hose war, nahmen wir das Risiko in Kauf
getroffen zu werden und blaue Flecken zu bekommen. Im Nachhinein ging es auch
so lang man nicht direkt in der Nähe der Kinder stand. Das Copper Festival fand
in dem großen Park von Tsumeb statt. Auf der einen Seite standen lauter Zelte
und Stände die Essen, hauptsächlich Gegrilltes, verkauften und auf der anderen
Seite standen Zelte und Stände die Schmuck, Schminke, T-Shirts, Kleider und traditionelle
Anziehsachen verkauften.
Als wir am Donnerstag das erste Mal dort waren, liefen die ganze Zeit kleine Kinder hinter uns her und beobachteten uns und wollten Geld von uns, als wir allerdings einen Tag später da waren, wurden wir fast weitgehend von den Kindern in Ruhe gelassen. Es gab super viele und schöne Armbänder die alle auch noch echt billig waren. Da musste ich natürlich erst mal einige kaufen, am Ende war mein ganzer Arm voll von Armbändern weil ich sie alle angezogen hatte, damit sie mir nicht geklaut werden. Denn uns wurde auch gesagt, dass es vorkommen kann, dass gerade die Kinder auch das Geld aus der Hosentasche klauen. Insgesamt wurde uns glücklicherweise nichts geklaut. Auch die Kinder aus dem Kinderdorf waren die ganze Zeit auf dem Copper Festival und so trafen wir immer wieder bekannte Gesichter, ja Tsumeb ist schon eher ein kleines Städtchen. Allerdings hörten wir auch viele negative Sachen über da Copper Festival. Gerade Abends sollte man da nicht mehr hingehen, weil so viele Leute sich betrinken und einen dann ausrauben oder schlimmeres. Ein Bekannter unserer Afrikaanslehrerin, übrigens ein Weißer, erzählte uns auch dass die Weißen hier in Tsumeb gar nicht oder nur selten auf das Copper Festival gehen und es auch das Charcoal Festival nennen weil: „Everywhere is black, just black people.“ Ja die wenigen Weißen die hier leben sind unglaublich rassistisch und trennen sich auch ganz stark von der schwarzen Bevölkerung ab. Sie leben in anderen Bereichen der Stadt, gehen meistens auf Privatschulen oder werden zu Hause unterrichtet und wenn sie „feiern“ gehen, in den Flying Club oder Gspot, dann sind da wirklich auch nur Weiße. Als wir auf dem Copper Festival waren, waren wir zwar wirklich fast die einzigen Weißen aber bis auf das wir ab und zu etwas erstaunt angeschaut wurden und einer auch zu uns kam und ein Foto mit uns machen wollte mit dem Kommentar: Wir haben hier so wenige Weiße, ich will deshalb ein Foto mit euch machen.“ waren alle anderen Leute super nett zu uns.
An einem Stand konnte man typische getrocknete Snacks der Oshivambo kaufen und die Frau am Stand hatte richtig Spaß uns daran uns zu erzählen wie die verschiedenen Sachen heißen, wie man sie isst und sie uns zum probieren anzubieten. Wir kauften dort dann auch kleine runde getrocknete Früchte die ein bisschen wie Rosinen schmecken. Den Namen der Frucht erzählte sie uns auch, allerdings habe ich diesen leider wieder vergessen.
Am Freitag waren wir auch noch auf einer Hausparty von einem Bekannten, übrigens ein Schwarzer, und ich hatte ein bisschen die Befürchtung, dass sie alle denken könnten wir wären genau so rassistisch wie die Weißen die hier leben. Gut dass sich diese Befürchtung nicht bewahrheitete. Wir waren zwar die einzigen Weißen, es zeigte sich mal wieder die Trennung der Weißen und Schwarzen hier, Weiße haben keine Schwarzen Freunde und umgekehrt dann natürlich auch nicht, aber nachdem wir 5 Minuten da waren unterhielten sich alle Leute ganz normal mit uns und plötzlich saßen wir mit den Mädchen zusammen und hatten echt super viel Spaß. Ständig wollten sie Fotos machen, ja die Afrikaner lieben es alle super viele Fotos zu machen, und natürlich gegrillt wurde auch und zwar typisch Afrikanisch. Es wurde einfach jede Menge Fleisch auf den Grill gepackt und dann in einem großen Topf auf den Tisch gestellt und jeder konnte sich bedienen. Natürlich wurde auch nur mit den Händen gegessen, langsam gewöhnt man sich echt daran auch wenn ich teilweise das Gefühl hab dass es noch nicht ganz so elegant aussieht wie bei den afrikanischen Mädchen. Insgesamt muss ich auch sagen, dass die Afrikaner wesentlich cooler, offener und lustiger sind als die wenigen Weißen die wir hier bis jetzt kennen gelernt haben. Und außerdem sind die Afrikaner, soweit ich das bis jetzt mitbekommen habe, weniger bis gar nicht rassistisch gegenüber Weißen, im Gegensatz zu den Weißen. Schon traurig, dass die Weißen, die hier ja eindeutig in der Minderheit leben, so schlecht über die Schwarzen reden und sich so von ihnen abkapseln und sich als etwas Besseres fühlen, obwohl sie sich gar nicht so groß von ihnen unterscheiden, bis auf in ihrer Hautfarbe. Naja, nach diesem Wochenende mit so vielen Neuen Erfahrungen, neuen Menschen und Eindrücken muss ich heute, also am Sonntag erst mal entspannen und mich ein wenig auf den Kindergarten vorbereiten, denn der war am Donnerstag und Freitag auf Grund des Copper Festivals ausgefallen. Ein wenig habe ich die kleinen Racker ja schon vermisst, mal schauen wie es dann am Montag sein wird, wieder einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf zu haben. Denn da die Kinder aus dem Kinderdorf fast alle den ganzen Tag auf dem Copper waren, fielen sämtliche Nachmittagsaktivitäten mit ihnen von Mittwoch bis Freitag aus.
Donnerstag, 24. Oktober 2013
Weekendtrip to Windhoek
An diesem Wochenende sind wir nach Windhoek gefahren um die
anderen Freiwilligen dort zu besuchen und den Geburtstag von Giulia zu feiern. Die
günstigste Möglichkeit in Namibia zu reisen ist mit den öffentlichen Bussen.
Der Fahrer des Kinderdorfes hatte uns gezeigt, an welcher Tankstelle wir warten
müssen. Da es allerdings keine Abfahrtszeiten gibt, sind wir morgens auf gut
Glück mit unseren Rucksäcken und Schlafsäcken zur Tankstelle gelaufen. Die Busse
die nach Windhoek fahren, starten alle im Norden, sind also erst gegen 11 Uhr in Tsumeb. Als wir an der Tankstelle ankamen,
wurden wir sofort gefragt ob wir nach Windhoek fahren wollen. Als wir dies
bejahten, meinten sie wir sollten uns einfach neben die Rundhütte stellen. Doch
ganz so einfach war es dann doch nicht. Plötzlich standen 5 Männer um uns herum
und jeder war der Meinung wir sollten doch in seinen Bus steigen, da sie für
jeden Passagier Provision bekommen. Zwischendurch wurden uns immer auch private
Autos angeboten. Das Ganze nicht in einer normalen Lautstärke, sondern sie
schrien schon fast und jeder wollte der lauteste sein um uns zu überzeugen, damit
er die Provision bekommt. Als wir endgültig keine Nerven mehr hatten, beschlossen wir
uns einfach einen auszusuchen und sagten, wir würden in seinen Bus steigen. Danach
hatte sich die Diskussion erledigt und wir wurden nicht mehr angeschrien, sondern konnten
uns ganz in Ruhe in die Rundhütte setzen zu den anderen Passagieren und auf den
Bus warten. Derjenige, der für den Bus zuständig war, telefonierte immer wieder
mit dem Fahrer und hielt uns immer wieder auf dem Laufenden wie weit der Bus
denn wäre. Plötzlich konnten alle auch
in einer normalen Lautstärke reden und waren nun sogar etwas an Deutschland
interessiert. Da kamen dann allerdings Fragen wie: „Was sprecht ihr in
Deutschland? Englisch?“ . So gegen 11 kam dann auch der Minibus und wir
stiegen ein. Insgesamt haben wir 160 N$ für die Busfahrt nach Windhoek und 10N$
„Provision“ an denjenigen bezahlt, der uns in den Bus gesetzt. Somit haben wir
für die Hinfahrt noch nicht einmal 16 € bezahlt. In dem Minibus saßen bereits
einige Passagiere und wir beschlossen uns nach vorne zu setzen und unsere
Rucksäcke und Schlafsäcke vor unsere Füße zu stellen, obwohl wir dadurch nicht
mehr viel Platz hatten, aber der kleine Anhänger hintendran sah nicht sehr
vertrauenserweckend aus. Die Fahrt nach Windhoek ging also los, aber vorher
musste natürlich noch das Radio auf volle Lautstärke gedreht werden und es ertönte
die ganze Zeit Musik mit mehr oder weniger guter Qualität aus den Lautsprechern.
Auf dem Weg hielten wir immer mal wieder an verschiedenen Haltestellen an um
weitere Leute einzusammeln. Da bemerkten wir auch, dass alle anderen genauso
angeschrien werden von den Leuten die versuchen sie in ihre Busse zu bekommen.
Nach fast 5 Stunden Fahrt mit mehr oder weniger kritischen Überholmanövern erreichten
wir aber dennoch unversehrt Windhoek. Da erst mal jedoch der nächste Schock.
Wir erwarteten an einer Tankstelle in Windhoek raus gelassen zu werden.
Stattdessen hielt der Bus an einer Tankstelle namens „Monte Christo“ die
allerdings direkt in Katutura liegt. Ein bisschen unwohl war uns schon wie wir
da mit unseren Rucksäcken standen und auf das Taxi warteten. E s fuhren zwar
ständig an uns vorbei, allerdings meinten die Freiwilligen, dass diese meist
nicht wüssten wo das Hostel ist, was direkt gegenüber von ihrem Haus ist. Daher
mussten wir uns ein Dial-a-cab rufen, welches zwar teurer ist, dafür aber
jedoch wusste wo wir hinmussten. Während wir so warteten, wurden wir ständig
angehupt und zwischendurch auch mal nach unseren Handynummern gefragt und ob
wir nicht Freunde mit ihnen werden wollen. Nachdem wir allerdings gesagt haben,
dass wir weder mit ihnen zusammen sein wollen noch unsere Handynummer
rausrücken wurden wir auch komplett in Ruhe gelassen und nur noch angestarrt.
Die Kindergartenlehrer meinten übrigens im Nachhinein „ Waaaaas ? Monte Christo?
Hattet ihr keine Angst?“ und waren schon etwas erschrocken. So schlimm
allerdings war es da dann doch nicht. Nach einer halben Stunde kam dann auch
das Taxi und brachte uns sicher zum Haus der anderen Freiwilligen, welches auch
in Katutura, allerdings einem besseren Teil davon, liegt. Nachdem wir ein
bisschen Kuchen gegessen hatten, und auch die Leute aus dem Hostel gegenüber
kennengelernt hatte, sind wir dann erst mal in einem sehr schicken Restaurant
essen gegangen. Allerdings war es gar nicht einmal so teuer wie erwartet.
Danach zogen wir uns um und erkundeten das Nachtleben von Windhoek. Und oh
Wunder über Wunder es gab richtige Clubs, nicht so komische Bars wie in Tsumeb
sondern richtige Clubs mit Tanzfläche und richtigem DJ. Nach einer
durchfeierten Nacht, sind wir am nächsten Tag erst mal ein bisschen shoppen
gegangen. Am Abend veranstaltete das Hostel einen Braai und danach sind wir
noch einmal in einen anderen Club in Windhoek gegangen. Am nächsten Morgen mussten
wir relativ früh aufstehen, weil der Busfahrer meinte, er würde so gegen 10 Uhr
losfahren. Es gibt allerdings mehrere Busse die von Windhoek aus in den Norden
fahren, von daher war es nicht so schlimm, dass wir zwar um 10 an der
Tankstelle standen, von dem Busfahrer allerdings weit und breit nichts zu sehen
war. Stattdessen wurden wir plötzlich von fast 15 Männern umzingelt die uns
wieder einmal anschrien um uns zu überzeugen, doch mit ihrem Bus zu fahren.
Nach einer gefühlten Ewigkeit saßen wir dann endlich in einem Bus drin. Dieser
war allerdings, anders als auf dem Weg von Tsumeb nach Windhoek, voll besetzt.
Wir quetschten also uns und unsere Sachen auf die Rückbank, auf der bereits 2
Frauen saßen. Und nach einigem warten auf die anderen Passagiere die sich noch
Essen kauften, ging es dann auch los, zurück nach Tsumeb. Es war extrem warm im
Bus und aus dem Radio tönte keine Musik sondern, wir vermuten es zumindest,
eine Predigt, die fast 3 Stunden lang ging. Nach einer gefühlten Ewigkeit
erreichten wir dann auch endlich wieder Tsumeb. Zwischendurch hatten wir im Bus
noch einen Chefkoch aus dem Halali Camp im Etosha Nationalpark kennengelernt,
der mit seiner Familie unterwegs war. Da er auch in Tsumeb ausstieg, half er
uns erst mal aus dem Bus zu kommen, denn dieser hielt einige Meter vor der
Tankstelle vor den Ständen von dem Open Market. Als die Tür aufging stürmten
sofort 20 Menschen auf die Öffnung zu, um ihre Waren an die Passagiere im Bus
zu verkaufen, was allerdings ein herauskommen aus dem Bus fast unmöglich
machte. Aber dank der Hilfe des Kochs schafften wir es dann doch. Wieder in der
Wohnung angekommen, erzählten uns die beiden anderen Freiwilligen erst einmal:
Stromausfall. In ganz Tsumeb war der Strom von morgens bis abends um 18 Uhr einfach
abgestellt worden, damit etwas an den Leitungen repariert werden konnte. Das
gibt es auch nur in Namibia. Nach diesem anstrengenden Tag bin ich dann
allerdings auch nach dem Abendessen sofort ins Bett gegangen, denn am nächsten
Morgen wartete ja wieder der Kindergarten auf uns.
Insgesamt war es ein echt schöner und auch anstrengender
Trip nach Windhoek und es war echt interessant auch mal zu sehen, wie die
anderen wohnen und Leben (sie benutzen z.B. immer ein Taxi, während wir hier in
Tsumeb noch kein einziges Taxi von innen gesehen haben, weil man überall
hinlaufen kann). Und zu unsere Art zu reisen: An sich ist es zu zweit kein
Problem auch wenn man mitten in Katutura rausgelassen wird, aber alleine würde
ich so nicht reisen, weil es dann doch nicht so toll ist erst mal von allen
Seiten angeschrien zu werden. Und es in Windhoek schon nicht so toll war als plötzlich
15 Männer um einen herumstanden und einen lautstark versuchten zu überzeugen,
doch in ihren Bus zu steigen.
Freitag, 11. Oktober 2013
Der alltägliche Wahnsinn – Kindergarten
Jeden Morgen von Montag bis Freitag, außer Donnerstag,
arbeite ich von 8.00-12.00 Uhr im Kindergarten den SOS Dorfes. Dorthin kommen
nicht nur 4 Kinder aus dem SOS Dorf sondern auch Kinder aus ganz Tsumeb. Im
Kindergarten gibt es insgesamt 4 Klassen, die blue class, die yellow class, die
die green class und die red class. Eine Klasse ist für die Kinder die nächstes
Jahr in die Schule gehen, eine Klasse für die Babies und die beiden anderen für
die restlichen Kinder. Insgesamt gibt es 4 Teacher (die Kinder nennen alle
Kindergärtnerinnen Teacher, selbst uns) für fast 80 Kinder. Allerdings ist die
eine Lehrerin gleichzeitig auch die Direktorin weshalb ihre Klasse immer bei
der Baby Klasse dabei ist. Jeder Freiwillige ist einer Lehrerin zugeteilt. Ich
bin in der Blue Class bei Teacher Maria. Die Kinder dort sind alle schon etwas
älter als die Kinder in der Baby Klasse. Am Anfang hatten wir große Probleme im
Kindergarten arbeiten zu können, da sie wohl dachten, dass wir ein besonderes
Programm benötigen würden und so sagten sie jeden Tag, dass sie unsere Hilfe
nicht benötigen würden. Nachdem wir allerdings klar gestellt hatten, dass wir
einfach nur dabei sein wollen um den Lehrern zu helfen. Nachdem sie dies verstanden
hatten, wurden wir auch sofort in ihre Arbeit integriert. Jeden Morgen wenn ich um 8 Uhr in die Klasse komme,
sitzen die Kinder brav an ihrem Tisch, mucksmäuschenstill und warten auf mich
und ihre Lehrerin, die meistens noch mit den anderen Lehrern redet. Dann werden
erst einmal Zähne geputzt. Allerdings hat gerade einmal ein bisschen mehr als
die Hälfte aller Kinder eine Zahnbürste im Kindergarten, sodass die anderen
Kinder ihre Zähne nicht putzen können. Nachdem sie die Zähne geputzt haben,
dürfen sie entweder etwas malen oder spielen. Allerdings spielen Mädchen und
Jungen getrennt. Die Jungs spielen mit Autos, die Mädchen mit einer
Puppenküche. Um ca. viertel vor 9 wird aufgeräumt und die Kinder stellen sich
getrennt nach Mädchen und Jungen in zwei Reihen vor der Tür auf. Dann dürfen
erst die Mädchen zur Toilette laufen und dann die Jungs. Dabei wird sehr darauf
geachtet, dass sie nicht rennen und jeder seinen Vordermann festhält. Wenn sie
auf der Toilette waren, stellen sie sich mehr oder weniger in einer Reihe beim
Waschbecken auf und bekommen etwas Seife um ihre Hände zu waschen. Sobald sie
fertig sind, laufen sie zu ihrer Klasse und stellen sich dort wieder getrennt
in 2 Reihen auf. Sobald alle Kinder fertig sind, gehen sie in ihre Klasse und machen
einen Kreis. Dann singen sie ein paar Lieder, hauptsächlich religiöse
Kinderlieder und am Ende beten sie zusammen. Die Lehrerin spricht dabei einen
Satz vor und alle Kinder sprechen ihn nach. Das Gebet ist entweder in Englisch,
Afrikaans oder Damara, der Heimatsprache der Lehrerin. Das ist übrigens die
Sprache mit den Klicklauten und es ist total süß wenn 25 Kinder zusammen die
Klicklaute machen. Nach dem Gebet gibt es meistens eine kurze
Unterrichtseinheit in der sie etwas über z.B. den Frühling oder Bäume oder
Blumen lernen, dann dürfen sie dazu noch etwas malen und um halb 10 gehen sie
dann raus zum Frühstücken. Bevor die meisten Kinder allerdings frühstücken,
gehen sie mit ihren Brotboxen oder Chipstüten zu jedem Teacher, sodass diese
ihr Essen probieren können. Die Lehrerinnen erzählten uns, dass wenn man das
Essen der Kinder nicht probiert, und sei es ein nur noch so kleiner Krümel, die
Kinder zu den Eltern gehen und ihnen sagen ihr Essen sei schlecht, weil die
Lehrerin es nicht probiert hat. Dadurch dass man ständig probieren muss, haben
wir schon die merkwürdigsten Dinge in den Brotboxen der Kinder gesehen. Von
kalten Pommes, die allerdings sehr beliebt sind, über Nudelsalat, Rührei und Pizza war neben dem normalen Brot schon
alles dabei. Sehr beliebt sind auch kleine Chipstüten und extrem süße Säfte.
Nachdem man dann also einmal alles durchprobiert hat, haben wir eigentlich
nichts mehr zu tun, denn nach dem Essen dürfen die Kinder bis sie abgeholt
werden nach Herzenslust spielen, schreien und rumtoben. Die meisten Kinder
werden so gegen 12 Uhr abgeholt, entweder kommt ein Taxi, das ist hier so
üblich und jedes Kind weiß wie sein Taxi aussieht, oder die Eltern oder
Geschwister holen sie ab, dann meistens zu Fuß. Anfangs war ich die ersten Tage
schon etwas schockiert in welchem Ton die Lehrerin mit den Kindern redet und
dass die Kinder nur flüstern, wenn sie malen. Als mich die Lehrerin allerdings
nach ein paar Tagen mit den Kindern alleingelassen hat und ich den Tag mit
ihnen gestalten sollte, war mir auch klar warum. Die Kinder sind größtenteils
sehr schlecht erzogen. Solang die Lehrerin da ist, sind sie still und machen
was ich sage, wenn die Lehrerin allerdings weg ist, werde ich kaum noch ernst
genommen und die Kinder sind extrem laut und wenn sie in einer Reihe stehen
kommt es fast jeden Tag zu kleinen Prügeleien um die Plätze in der Reihe. Egal
ob ich laut werde oder nicht die Kinder ignorieren mich ganz gerne mal und
spielen einfach weiter anstatt aufzuräumen. An manchen Tagen funktioniert es
mehr, an manchen weniger. Daher hatte ich am Ende der ersten Woche im
Kindergarten keine Stimme mehr, weil ich immer so laut mit ihnen reden musste.
Nachdem ich ihnen allerdings angedroht hatte, dass ich nicht mehr komme, hörten
sie schon ein bisschen besser auf mich. Das Problem ist auch, dass sie mich
zwar Teacher nennen, mich aber nicht so behandeln, beziehungsweise anders mit
mir umgehen. Sobald ich in die Klasse komme und Guten morgen sage, stürmen alle
Kinder auf mich zu und rufen „Teacher Lara, Teacher Lara“ und wollen mich am
liebsten alle gleichzeitig umarmen. Das würden sie bei ihrer echten Lehrerin
nie machen. Zudem spiele ich immer mit ihnen mit, wenn sie freie Zeit in der
Klasse haben. Besonders die kleinen Jungs versuchen mich ganz gerne mal zu
provozieren und stören dann die ganze Gruppe, weil sie sich auch einfach
manchmal anfangen zu prügeln. Nachdem der letzte Junge dann allerdings versucht
hat zu stören, wurde er kurzerhand weggesetzt und durfte nicht mit den anderen
zusammen malen, sondern musste ihnen dabei zusehen. Sofort hat man gemerkt wie
die ganze Gruppe leiser wurde. Im Moment übe ich Verse mit ihnen für die
Graduation Party, weil die Schulkinder bald in die Schule kommen. Das ist immer
etwas schwierig, weil die meisten Kinder extrem leise reden. Ich kann jetzt
auch eigentlich alle Namen von Kindern, bis auf einen Namen, denn der hat
leider gleich zwei Klicklaute in seinem Namen. Der Junge fühlt sich leider
weder angesprochen wenn ich den Namen ohne Klicklaute ausspreche, als auch wenn
ich versuche die Klicklaute zu machen. Die Kinder versuchen mir immer wieder
den Namen vorzusprechen, aber ich habe das Gefühl, dass sich die Klicklaute
immer anders hören. Mittlerweile verstehen sie schon wen ich meine, wenn ich
mühsam versuche den Namen auszusprechen und rufen ihn dann für mich. Inzwischen
habe ich aber auch da schon richtige Erfolgserlebnisse wenn ich den Namen ausspreche
und die Kinder mir sagen, dass es genau so richtig war.
Diese Woche hatte ich die Klasse für mich alleine, weil
meine Lehrerin nicht da war. Nachdem die ersten Tage mehr oder weniger gut
funktionierten, kam in der Mitte der Woche eine Lehrerin der anderen Klasse und
meinte zu den Kindern, dass sie auch auf mich hören sollten und leise sein
sollten. Danach verliefen die restlichen Tage der Woche schon wesentlich
einfacher und vor allem etwas leiser, zumindest so lange sie in der Klasse
waren und etwas zu tun hatten.
Mittwoch, 2. Oktober 2013
Ein etwas anderes Wochenende
Dieses Wochenende haben wir das typisch afrikanische Leben
mitbekommen. Wir haben jetzt endlich auch Afrikaansunterricht bei einer netten
Frau in der Nähe des Kinderdorfes. Der Unterricht findet bei ihr zu Hause statt
und jedes Mal wenn wir Unterricht haben läuft ihr Mann herein und hat entweder
ein typisch afrikanisches Gebäck dabei oder ein anderes Tier mit. Sie haben dort
Hunde, Schlangen, Schildkröten, einen Papagei und sogar eine Meerkatze.
Außerdem ist die ganze Familie super nett und hat uns schon zum Grillen
eingeladen. Bei ihr im Haus wohnt noch eine weitere Person. Er lud uns zu einem
typisch afrikanischen Braai ein, was nichts anderes als Grillen ist. Am Freitag
sind wir also los zu einem Freund von ihm um dort mit ein paar anderen zu
grillen. Naja, grillen kann man das nur mehr oder weniger nennen, das Fleisch
haben sie nämlich erst draufgelegt als das Feuer schon fast wieder aus war.
Außerdem gab es nur Fleisch und nichts anderes und das haben wir auch noch mit
den Händen gegessen. Die einzige Beilage die es gab war ein Reissalat den wir
mitgebracht haben, von dem sie allerdings nicht so begeistert waren. Als wir fertig
mit essen waren, wollten wir in einen Club. Naja „Club“ ist vielleicht etwas
übertrieben, es war eher eine Bar. Es gab eine kleine Fläche zum Tanzen und
einen Billiardtisch. Als wir in die Bar hereinkamen, dort waren nicht so viele
Menschen wie erwartet, wurden wir erst einmal angestarrt als hätten sie noch
nie Mädchen gesehen. Den ganzen Abend über waren wir die Attraktionen und
ständig wollten sich die Leute mit einem Unterhalten und einem das Getränk
ausgeben. Dazu muss man sagen, dass neben uns vielleicht noch 4 andere Mädchen
da waren und in Namibia ist es wohl üblich das den Frauen alles ausgegeben wird
und sie nichts selber bezahlen müssen. Anders als in Deutschland erwarten sie
allerdings nicht, dass man sich zwangsläufig mit ihnen unterhält nur weil man
etwas ausgegeben bekommen hat, manchmal spendieren sie einem auch nur ein
Getränk, unterhalten sich kurz und gehen dann wieder. Um 2 Uhr hat die Bar zu
gemacht und als wir in die zweite Bar oder Club, was auch immer es war, nicht
mehr gegangen sind, verbrachten wir den restlichen Abend dort, wo wir auch
gegrillt hatten und fielen spät am Abend
todmüde in unsere Betten. Am nächsten Morgen waren wir dann mit den Leuten vom
vorigen Abend an einem See und haben dort den ganzen Tag verbracht. Am Abend
sind wir zu einem Modelcontest gegangen, weil ein paar Kinder aus dem Kinderdorf daran teilnahmen und
wollten, dass wir ihnen zuschauen. Auf der Karte stand drauf, dass es um 18 Uhr
beginnen würde und eines der Mädchen aus dem Kinderdorf meinte, dass wir schon
um 17 Uhr da sein sollten, um uns gute Plätze zu sichern. Also waren wir,
typisch deutsch, natürlich pünktlich um 17 Uhr da. Als wir allerdings in die
Community Hall kamen, wo der Contest stattfinden sollte, waren wir nicht nur
die einzigen dort, sondern sie waren noch nicht einmal fertig mit aufbauen.
Gegen 6 Uhr waren immer noch keine anderen Leute da, allerdings fand dann wohl
auch gerade erst die Generalprobe statt. Gegen 19 Uhr war von anderen Leuten
immer noch keine Spur zu sehen und uns wurde gesagt, sie wüssten auch nicht
wann sie anfangen, denn sie würden noch auf die Veranstalterin warten.
Insgesamt startete die Veranstaltung dann erst um 21 Uhr. Aber die
Veranstalterin brachte uns netterweise sogar etwas zu essen weil wir Neu waren
und Fremde in diesem Land. Auch bei diesem Contest hat sich mal wieder gezeigt,
dass wohl alle Afrikaner den Rhythmus einfach im Blut haben, weil die Modelauftritte
immer wieder von Tanz- und Gesangeinlagen von Kindern allen Alters unterbrochen
wurde und selbst die Kleinsten schon super tanzen können. Die Musik und auch
das Geschrei der Kinder war allerdings so laut, dass wir gegen 23 Uhr
beschlossen lieber noch ein bisschen feiern zu gehen mit den Leuten vom Vortag.
Am nächsten Tag hörten wir, dass der Contest wohl bis 3 Uhr nachts gegangen
sei. Am Sonntag mussten wir dann erst mal ausschlafen und versuchten uns im
Brot und Kuchen backen. Sowohl der Kuchen als auch das Brot sind leider zu
vielen tausend Teilen zerfallen, da wir sie in einem Topf backen mussten, weil
wir keine Backformen haben. Trotzdem ist es sehr lecker geworden. Am Abend
wurden wir dann von Jungs noch einmal zum Essen eingeladen, weil sie meinten,
da unser Reissalat so schrecklich war, müssten sie uns erst einmal bekochen um
zu zeigen was gutes Essen ist. Das Essen war ein typisch afrikanischer Eintopf
mit Hühnchen und Gemüse und auch wirklich lecker. Den restlichen Sonntagabend
verbachten wir noch zusammen mit ihnen um dann jedoch etwas früher als am
Freitag und am Samstag zu Bett zu gehen, da wir am Montag ja wieder arbeiten
mussten.
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