Montag, 9. Dezember 2013

Die Massentaufe






Am Samstagnachmittag wurden wir von einer der Kindergartenlehrerinnen zur Taufe des Kindes ihrer Schwester eingeladen. Die Taufe fand in einer Kirche in der Location statt. Pünktlich um 14 Uhr trafen wir dort ein. Es waren schon einige Familien mit ihren Kindern da, und auch schon einige Kinder die getauft werden sollten. Alle waren festlich angezogen und die meisten Kinder waren auch weiß gekleidet. Einige kleine Kinder hatten sogar Feenflügel an. Insgesamt wurden an diesem Nachmittag 32 Kinder jeglichen Alters getauft. Typisch Namibia fing der Gottesdienst natürlich nicht um 14 Uhr an, sondern etwa 20 Minuten später. Viel habe ich von dem Gottesdienst leider nicht mitbekommen, da der Priester hauptsächlich auf Damara, Oshivambo oder Afrikaans predigte. Einige Stellen sprach er auch auf Englisch, allerdings war sein Englisch so schlecht, dass man ihn kaum verstehen konnte. Zudem hat er extrem einschläfernd und leise geredet, sodass ich, als ich mich umschaute, auch wirklich einige schlafende Kirchenbesucher zählen konnte. Die Taufe an sich dauerte fast 3 Stunden. Immer wieder ging der Priester zu den Kindern die hinter dem Alter mit ihren Müttern in einem Halbkreis saßen und salbte sie oder tröpfelte Wasser auf sie oder auch Salz. Am Ende ging er auch mit einem weißen Kleid herum, legte es jedem Kind auf die Schulter als Zeichen dafür, dass sie nun durch das Wasser gereinigt seien. Wieder einmal sehr faszinierend war der Gesang. Es gab insgesamt 3 Kirchenmitglieder die zwischendurch einfach anfingen zu singen, solange der Priester herumlief, damit keine Stille aufkam. Sie hatten kein Gesangbuch vor sich und trotzdem schienen viele Leute immer wieder zu wissen was sie sangen und stimmten dann lauthals ein. Als endlich das Ende des Gottesdienstes kam, kamen noch einige Danksagungen auch von einem Vater dessen Kind getauft wurde. Als der Priester wieder redete realisierte ich, dass uns plötzlich alle anstarrten. Der Priester hatte uns gedankt, dass wir unsere Zeit mit ihnen verbracht hatten in der Kirche. War ja klar, wir fielen wieder einmal auf, weil wir die einzigen Weißen waren. Etwas unangenehm war es mir schon, dass wir als etwas Besonderes dargestellt wurden, nur weil wir die einzigen Weißen waren. Nachdem die Kirche endlich vorbei war und jeder jedem die Hände geschüttelt hatte und Wünsche überbracht hatte, fuhren wir zu dem Haus der Großeltern der Kindergartenlehrerin. Dort packten wir jede Menge Essen in die Autos und nach einer kurzen Zeit fuhren wir dann zu einem Saal, wo die Taufe noch einmal gefeiert werden sollte.  Als wir angekommen waren, hieß es wieder einmal warten und zwar darauf, dass das Fleisch endlich fertig wurde. Zwischendurch wurde auch eine Rede gehalten, von der Master of Ceremony. Für jede Festlichkeit gibt es immer einen Master of Ceremony der die Gäste durch das Programm führt. Auch hier wurde uns wieder einmal gedankt, dass wir den Abend mit ihnen verbringen. Schon seltsam, denn eigentlich haben wir ja ihnen zu danken, dass wir den Abend mit ihnen verbringen durften. Während wir auf das Essen warteten, wollten alle Bilder mit uns machen und auch nach dem Essen kam es immer noch vor, dass Bilder mit uns gemacht wurden. Nach einiger Zeit wurde dann endlich das Buffet eröffnet und danach wurde fröhlich gefeiert. Leider mussten wir die Feier schon relativ früh verlassen, da wir uns eigentlich noch mit Freunden zum Grillen verabredet hatten. Als wir dort ankamen, grillten wir wirklich noch einmal. Ich glaube ich habe noch sie so viel an einem Tag gegessen. Der Abend war dann auch noch sehr lustig und spät nachts fiel ich dann auch satt und todmüde ins Bett.

Montag, 2. Dezember 2013

Abenteuer Camping auf einer Farm


Von Donnerstag bis Samstag waren wir auf der Farm von den Eltern von einem Freund campen. Mitten in der Wildnis ohne Strom und fließend Wasser. Ok, eine Dusche hatten wir schon aber dafür mussten wir erst mal zu dem Farmhaus fahren. Ansonsten waren wir schon ganz schön abgeschieden, da diese Farm mehrere Hektar groß ist und bis auf das Farmhaus und ein paar künstlich angelegte Wasserstellen dort sonst auch nichts an der Natur verändert wurde. Am Donnerstagmorgen ging es los, erst einmal essen kaufen. Und was dafür natürlich gerade hier in Namibia nicht fehlen: Fleisch. Aber nicht irgendein Fleisch, nein T-Bone Steaks mussten es sein, na gut die sind hier auch extrem billig, und es war einfach so groß wie der Teller. Und natürlich Spieße, eingelegt in den verschiedensten Soßen. Nachdem wir dann alles eingekauft hatten, und nachdem wir ungefähr gefühlte dreimal zur Wohnung zurück fahren mussten weil wir irgendetwas vergessen hatten, ging es dann endlich los zur Farm die etwa 2 Stunden von Tsumeb entfernt ist.Davor haben wir noch einen kurzen Abstecher zu dem Meteoriten gemacht in der Nähe von Grootfontein. Dieser ist dort vor mehreren Tausend Jahren herabgefallen und einer der größten der Welt. Nachdem wir ihn uns angeschaut haben, ging unsere Fahrt auch schon weiter.



Auf der Farm angekommen, hieß es dann erst einmal Stühle, Tische und Matratzen vom Farmhaus holen, ein bisschen Komfort muss schließlich auch in der Wildnis sein. Wir hatten und extra ein riesiges Zelt von einem Freund ausgeliehen, damit die Matratzen auch hineinpassten. Nachdem wir unser Camp an einem Wasserloch aufgeschlagen hatten, hieß es erst einmal Feuer machen und Grillen, denn wir waren alle schon etwas hungrig geworden. Danach sind wir noch ein bisschen auf der Farm herumgefahren und haben uns auch erst mal eine kalte Dusche gegönnt. Dann war es schon wieder Zeit das Abendessen vorzubereiten. Ich hatte ehrlich gesagt schon ein bisschen Angst als es dunkel wurde, weil dann die ganzen Spinnen rausgekommen und die sind hier teilweise Handflächengroß. Gut das wir eh nur eine Kerze auf dem Tisch stehen hatten und man nicht sehen konnte was unter dem Tisch herumkrabbelte. Zwei kleinere Spinnen haben wir dann auch auf unserem Tisch gesehen aber die waren zum Glück nicht allzu groß.

 Nach dem Abendessen sind wir zur Wasserstelle gegangen, von wo aus man einen unglaublichen Ausblick auf den Sternenhimmel hatte. Nachdem wir noch ein bisschen zusammen saßen am Tisch und etwas getrunken hatten, sind wir dann auch ins Bett gegangen. Ein bisschen gruselig war es schon weil man auf Grund der Kerze gerade Mal einen Meter weit sehen konnte und danach war es einfach nur dunkel. Man hat dort nichts mehr gesehen und es gibt zwar eigentlich keine gefährlichen Tiere auf der Farm nur Antilopen und ungefährliche Wildtiere wie Gnus weil die Farm eingezäunt ist, jedoch gibt es Jakkals, so etwas wie ein wilder Hund der aber eigentlich sehr scheu ist, außer er hat Tollwut, aber trotzdem war es schon gruselig. Nachdem wir die erste Nacht allerdings ohne Vorkommnisse überlebt haben, war ich schon etwas entspannter. Wir sind dann zu einem er hat es „Damm“ genannt gefahren. Eigentlich ist es ein riesiger Behälter aus Stein  in den sie Wasser füllen und es dort aufbewahren und aus diesem riesigen Bottich läuft dann immer ein bisschen Wasser in einen kleinen Trog für die Rinder. Da die Arbeiter den Behälter erst vor ein paar Tagen sauber gemacht hatten, war noch nicht so viel Wasser darin, aber gerade genug um sich hineinzusetzen und abzukühlen, denn es wurde schon ganz schön warm. Nachdem wir es dann auch geschafft hatten in den Behälter hineinzuklettern, haben wir auch den halben Tag darin verbracht und fuhren dann zurück zum Camp um dort im Schatten den Mittag zu verbringen. Gegen Nachmittag fuhren wir wieder zurück zum „Damm“, allerdings fing es dann an in Strömen zu regnen, sodass wir uns nach kurzer Zeit ins Auto setzten um ein bisschen auf der riesigen Farm herumzufahren. Wir sahen sogar einige Gnus die im Regen herumrannten. Gegen Abend liefen wir dann ein bisschen in der Nähe des Camps herum und hatten einen tollen Ausblick auf den Sonnenuntergang der den ganzen Himmel rot färbte. Glücklicherweise regnete es nicht weiter sondern tröpfelte nur noch ein bisschen, sodass wir den zweiten Abend auch draußen verbringen konnten und nachdem wir einige Runden Poker gespielt hatten und etwas um das Lagerfeuer herumsaßen, gingen wir dann auch schlafen. 

Am zweiten Abend allerdings hatte ich das Gefühl, dass die Insekten plötzlich größer geworden waren. Ständig flogen Insekten um das Kerzenlicht herum die aussahen wie aus einer früheren Zeit und zudem auch noch riesig waren. Und zudem hörten wir einen Jakkal relativ nahe am Camp jaulen, zwischenzeitlich haben wir Mädchen uns schon überlegt was wir machen wenn er doch Tollwut hat und uns angreift, allerdings hatte der Freund mit dem wir da waren ein Gewehr dabei, von daher hätte gar nicht so viel passieren können. Am nächsten Morgen haben wir dann gemütlich das Camp abgebaut und sind gegen Mittag wieder zurück nach Tsumeb gefahren.
Im Nachhinein bin ich sehr froh, dass wir uns entschieden hatten von Donnerstag bis Samstag zu campen und nicht von Freitag bis Sonntag, denn der Freund erzählte uns, als er am Abend noch einmal vorbeikam um uns ein paar Sachen zu bringen, dass seine Mutter ihm eine SMS geschrieben hatte, dass die Arbeiter am Samstagmorgen in der Nähe des „Damms“ einen Löwen gesehen hätten, der wohl in die Farm eingebrochen ist. Glücklicherweise haben wir ihn nicht gesehen, obwohl der Damm gar nicht so weit von unserem Camp entfernt war. Aber gut, das ist hier halt Afrika und mit so etwas muss man wohl rechnen, auch wenn die Farm eingezäunt ist.
Am Samstagabend war ich dann noch mit ein paar Freunden feiern und musste feststellen: Es gibt Clubs in Tsumeb! Die erinnern zwar eher an Beachclubs weil sich wegen des Wetters alles draußen abspielt, aber sie hören dort echt coole Musik. Und obwohl ich die einzige Weiße dort war, ist das gar nicht so aufgefallen und der Abend war echt lustig.

Alles in allem war es echt ein spannendes Wochenende und ich glaube, wenn man schon einmal die Möglichkeit hat, auf einer Farm zu campen in der Wildnis, dann sollte man das auch auf jeden Fall mal ausprobieren, aber in nächster Zeit werde ich das wohl nicht wiederholen nicht nur wegen der Insekten, sondern auch wegen der Tatsache, dass man selbst auf der eingezäunten Farm nicht sicher ist vor z.B. Löwen und ich viel zu viel Angst hätte, dass wieder einer auf die Farm einbricht. Da muss ich echt sagen, Respekt an den Freund mit dem wir da waren, der einen Monat lang allein auf der gecampt hat, abseits von jeglicher Zivilisation. 

Donnerstag, 21. November 2013

Welcome to Graduation 2013



Endlich war es soweit. Die Kindergartengraduation fand gestern Abend in der Community Hall statt. Auf diesen Tag hatten wir mit den Kindern hingearbeitet, seit wir im Kindergarten angefangen hatten zu arbeiten. Wir übten Wochenlang die Memoryverse (Verse aus der Bibel), das laute richtige Sprechen (das bei manchen Kindern in einem einzigen angestrengten Geschrei endete in dem sämtliche Töne der Tonleiter ausprobiert wurde während die Augen geschlossen waren, weil es ja so anstrengend war) und die Verbeugung. Wie oft mussten wir das Lachen unterdrücken bei den angestrengten Gesichtern der Kinder und besonders bei dem Vers eines kleinen Kindes der lautete: I am a virgin, how can this be. So oft wurde die verschiedenen Weihnachtslieder geübt und insbesondere die Nationalhymne. Was gäbe es für einen Aufschrei in Deutschland wenn die Kindergartenkinder „On attention“ und mit „Hands to your body“ die Nationalhymne singen würden. Aber hier gehört das einfach dazu.  Am Ende lief die ganze Veranstaltung für Namibianische Verhältnisse erstaunlich geordnet ab. Am Morgen dekorierten wir mit 2 der Kindergärtnerinnen die Community Hall. Wir sollten um 5 Uhr da sein und schwarz oder weiß angezogen sein. Also gingen wir nach dem Dekorieren nach Hause, machten uns frisch und zogen uns um. Um viertel vor 5 machten wir uns dann auf dem Weg zu Community Hall die in der Location ist. Auf dem Weg dorthin machten wir eine sehr merkwürdige Begegnung. In der Location ist es eher selten das Weiße herumlaufen aber an sich ist es kein Problem dort herumzulaufen, man wird nur sehr merkwürdig angeschaut. Aber gestern kam doch tatsächlich ein schwarzer Mann auf uns zu und zeigte in Richtung der Community Hall zu der wir gerade liefen und meinte: „ Ihr lauft in die falsche Richtung. Das hier ist Buschmanngebiet.“ Dann zeigte er in die andere Richtung wo die Innenstadt liegt und meinte: „ In dieser Richtung ist die Town.“  In dem Moment muss ich sagen, kam ich mir schon ein  bisschen diskriminiert vor. Nur weil es nicht so oft vorkommt das dort Weiße herumlaufen und nur weil wir weiß sind dürfen wir also nicht dort herumlaufen. Naja, nachdem wir ihn dann einfach ignoriert haben und weitergegangen sind, kamen wir dann auch ohne weitere Vorfälle an der Community Hall an. Dort warteten sogar ein schon paar Eltern mit ihren Kindern die alle super herausgeputzt waren. Die Jungs trugen Anzüge und die Mädchen weiße Kleider die einen an Hochzeitskleider erinnern. Ein paar der Mädchen waren sogar geschminkt. Die Veranstaltung wurde sogar recht pünktlich begonnen. Immer wieder kamen dann zwar noch verspätete Eltern herein, aber das schien auch keinen zu stören. Es wurden Weihnachtslieder wie z.B. Joy to the world oder Silent night gesungen und natürlich wurden auch die lange geprobten Verse aufgesagt. Erstaunlicherweise haben nur sehr wenige Kinder ihre Verse vergessen, obwohl sie doch alle sehr aufgeregt waren. Am Ende wurde den Kindern die den Kindergarten verlassen um auf die Grundschule zu gehen ein Zertifikat überreicht, das bescheinigt, dass sie im Kindergarten gewesen waren. Dabei trugen sie schwarze Roben und Kappen und sahen aus wie kleine Uniabsolventen. Und eine Überraschung gab es auch noch für die Eltern. Wir sangen mit den Kindern zusammen „Oh Tannenbaum“ als Abschluss. Alle Kinder waren am Ende total geschafft und müde aber man sah ihnen an wie stolz sie waren. Auch die Eltern waren alle so stolz auf ihre Kleinen. Es war echt schön, dass wir die Vorbereitungen von Anfang an miterlebt haben und so viel dazu beitragen konnten, um dann am Ende das Ergebnis zu sehen, das wirklich toll war. 

Sonntag, 3. November 2013

Copper Festival in Tsumeb

Copper, Copper, Copper. Dieses Wochenende war Copper Festival in Tsumeb von Donnerstag bis Samstag. Das ist so in etwa das Highlight des Jahres hier (sonst passiert hier ja auch nicht so viel). Schon Wochen vorher wurden ständig Meetings im Kinderdorf abgehalten um die Organisation des SOS Standes zu organisieren. „Ja, die Leute hier lieben Meetings“, wie eine Mitarbeiterin des FSP so schön sagte. Auch im Kindergarten war schon eine Woche vorher von nichts anderem mehr die Rede als das Copper Festival, sowohl bei den Kindern als auch den Lehrerinnen. Dementsprechend war ich natürlich schon gespannt wie es werden würde. Allerdings wurde uns auch gesagt, dass wir aufpassen sollten und keine Taschen mitnehmen sollten, denn die würden uns geklaut werden. Zudem hatte fast jedes Kind diese Spielzeugpistolen mit denen man kleine gelbe Kügelchen schießen kann und die ganz schön weh tun wenn man sie abbekommt. Da es allerdings viel zu warm für eine lange Hose war, nahmen wir das Risiko in Kauf getroffen zu werden und blaue Flecken zu bekommen. Im Nachhinein ging es auch so lang man nicht direkt in der Nähe der Kinder stand. Das Copper Festival fand in dem großen Park von Tsumeb statt. Auf der einen Seite standen lauter Zelte und Stände die Essen, hauptsächlich Gegrilltes, verkauften und auf der anderen Seite standen Zelte und Stände die Schmuck, Schminke, T-Shirts, Kleider und traditionelle Anziehsachen verkauften.  

Als wir am Donnerstag das erste Mal dort waren, liefen die ganze Zeit kleine Kinder hinter uns her und beobachteten uns und wollten Geld von uns, als wir allerdings einen Tag später da waren, wurden wir fast weitgehend von den Kindern in Ruhe gelassen. Es gab super viele und schöne Armbänder die alle auch noch echt billig waren. Da musste ich natürlich erst mal einige kaufen, am Ende war mein ganzer Arm voll von Armbändern  weil ich sie alle angezogen hatte, damit sie mir nicht geklaut werden. Denn uns wurde auch gesagt, dass es vorkommen kann, dass gerade die Kinder auch das Geld aus der Hosentasche klauen. Insgesamt wurde uns glücklicherweise nichts geklaut. Auch die Kinder aus dem Kinderdorf waren die ganze Zeit auf dem Copper Festival und so trafen wir immer wieder bekannte Gesichter, ja Tsumeb ist schon eher ein kleines Städtchen. Allerdings hörten wir auch viele negative Sachen über da Copper Festival. Gerade Abends sollte man da nicht mehr hingehen, weil so viele Leute sich betrinken und einen dann ausrauben oder schlimmeres. Ein Bekannter unserer Afrikaanslehrerin, übrigens ein Weißer, erzählte uns auch dass die Weißen hier in Tsumeb gar nicht oder nur selten auf das Copper Festival gehen und es auch das Charcoal Festival nennen weil: „Everywhere is black, just black people.“ Ja die wenigen Weißen die hier leben sind unglaublich rassistisch und trennen sich auch ganz stark von der schwarzen Bevölkerung ab. Sie leben in anderen Bereichen der Stadt, gehen meistens auf Privatschulen oder werden zu Hause unterrichtet und wenn sie „feiern“ gehen, in den Flying Club oder Gspot, dann sind da wirklich auch nur Weiße. Als wir auf dem Copper Festival waren, waren wir zwar wirklich fast die einzigen Weißen aber bis auf das wir ab und zu etwas erstaunt angeschaut wurden und einer auch zu uns kam und ein Foto mit uns machen wollte mit dem Kommentar: Wir haben hier so wenige Weiße, ich will deshalb ein Foto mit euch machen.“ waren alle anderen Leute super  nett zu uns.
An einem Stand konnte man typische getrocknete Snacks der Oshivambo kaufen und die Frau am Stand hatte richtig Spaß uns daran uns zu erzählen wie die verschiedenen Sachen heißen, wie man sie isst und sie uns zum probieren anzubieten. Wir kauften dort dann auch kleine runde getrocknete Früchte die ein bisschen wie Rosinen schmecken. Den Namen der Frucht erzählte sie uns auch, allerdings habe ich diesen leider wieder vergessen.



Am Freitag waren wir auch noch auf einer Hausparty von einem Bekannten, übrigens ein Schwarzer, und ich hatte ein bisschen die Befürchtung, dass sie alle denken könnten wir wären genau so rassistisch wie die Weißen die hier leben. Gut dass sich diese Befürchtung nicht bewahrheitete. Wir waren zwar die einzigen Weißen, es zeigte sich mal wieder die Trennung der Weißen und Schwarzen hier, Weiße haben keine Schwarzen Freunde und umgekehrt dann natürlich auch nicht, aber nachdem wir 5 Minuten da waren unterhielten sich alle Leute ganz normal mit uns und plötzlich saßen wir mit den Mädchen zusammen und hatten echt super viel Spaß. Ständig wollten sie Fotos machen, ja die Afrikaner lieben es alle super viele Fotos zu machen, und natürlich gegrillt wurde auch und zwar typisch Afrikanisch. Es wurde einfach jede Menge Fleisch auf den Grill gepackt und dann in einem großen Topf auf den Tisch gestellt und jeder konnte sich bedienen. Natürlich wurde auch nur mit den Händen gegessen, langsam gewöhnt man sich echt daran auch wenn ich teilweise das Gefühl hab dass es noch nicht ganz so elegant aussieht wie bei den afrikanischen Mädchen.  Insgesamt muss ich auch sagen, dass die Afrikaner wesentlich cooler, offener und lustiger sind als die wenigen Weißen die wir hier bis jetzt kennen gelernt haben. Und außerdem sind die Afrikaner, soweit ich das bis jetzt mitbekommen habe, weniger bis gar nicht rassistisch gegenüber Weißen, im Gegensatz zu den Weißen. Schon traurig, dass die Weißen, die hier ja eindeutig in der Minderheit leben, so schlecht über die Schwarzen reden und sich so von ihnen abkapseln und sich als etwas Besseres fühlen, obwohl sie sich gar nicht so groß von ihnen unterscheiden, bis auf in ihrer Hautfarbe. Naja, nach diesem Wochenende mit so vielen Neuen Erfahrungen, neuen Menschen und Eindrücken muss ich heute, also am Sonntag erst mal entspannen und mich ein wenig auf den Kindergarten vorbereiten, denn der war am Donnerstag und Freitag auf Grund des Copper Festivals ausgefallen. Ein wenig habe ich die kleinen Racker ja schon vermisst, mal schauen wie es dann am Montag sein wird, wieder einen mehr oder weniger geregelten Tagesablauf zu haben. Denn da die Kinder aus dem Kinderdorf fast alle den ganzen Tag auf dem Copper waren, fielen sämtliche Nachmittagsaktivitäten mit ihnen von Mittwoch bis Freitag aus.

Donnerstag, 24. Oktober 2013

Weekendtrip to Windhoek


An diesem Wochenende sind wir nach Windhoek gefahren um die anderen Freiwilligen dort zu besuchen und den Geburtstag von Giulia zu feiern. Die günstigste Möglichkeit in Namibia zu reisen ist mit den öffentlichen Bussen. Der Fahrer des Kinderdorfes hatte uns gezeigt, an welcher Tankstelle wir warten müssen. Da es allerdings keine Abfahrtszeiten gibt, sind wir morgens auf gut Glück mit unseren Rucksäcken und Schlafsäcken zur Tankstelle gelaufen. Die Busse die nach Windhoek fahren, starten alle im Norden, sind also erst gegen 11 Uhr  in Tsumeb. Als wir an der Tankstelle ankamen, wurden wir sofort gefragt ob wir nach Windhoek fahren wollen. Als wir dies bejahten, meinten sie wir sollten uns einfach neben die Rundhütte stellen. Doch ganz so einfach war es dann doch nicht. Plötzlich standen 5 Männer um uns herum und jeder war der Meinung wir sollten doch in seinen Bus steigen, da sie für jeden Passagier Provision bekommen. Zwischendurch wurden uns immer auch private Autos angeboten. Das Ganze nicht in einer normalen Lautstärke, sondern sie schrien schon fast und jeder wollte der lauteste sein um uns zu überzeugen, damit er die Provision bekommt. Als wir endgültig keine Nerven mehr hatten, beschlossen wir uns einfach einen auszusuchen und sagten, wir würden in seinen Bus steigen. Danach hatte sich die Diskussion erledigt und wir wurden nicht mehr angeschrien, sondern konnten uns ganz in Ruhe in die Rundhütte setzen zu den anderen Passagieren und auf den Bus warten. Derjenige, der für den Bus zuständig war, telefonierte immer wieder mit dem Fahrer und hielt uns immer wieder auf dem Laufenden wie weit der Bus denn wäre.  Plötzlich konnten alle auch in einer normalen Lautstärke reden und waren nun sogar etwas an Deutschland interessiert. Da kamen dann allerdings Fragen wie: „Was sprecht ihr in Deutschland? Englisch?“ . So gegen 11 kam dann auch der Minibus und wir stiegen ein. Insgesamt haben wir 160 N$ für die Busfahrt nach Windhoek und 10N$ „Provision“ an denjenigen bezahlt, der uns in den Bus gesetzt. Somit haben wir für die Hinfahrt noch nicht einmal 16 € bezahlt. In dem Minibus saßen bereits einige Passagiere und wir beschlossen uns nach vorne zu setzen und unsere Rucksäcke und Schlafsäcke vor unsere Füße zu stellen, obwohl wir dadurch nicht mehr viel Platz hatten, aber der kleine Anhänger hintendran sah nicht sehr vertrauenserweckend aus. Die Fahrt nach Windhoek ging also los, aber vorher musste natürlich noch das Radio auf volle Lautstärke gedreht werden und es ertönte die ganze Zeit Musik mit mehr oder weniger guter Qualität aus den Lautsprechern. Auf dem Weg hielten wir immer mal wieder an verschiedenen Haltestellen an um weitere Leute einzusammeln. Da bemerkten wir auch, dass alle anderen genauso angeschrien werden von den Leuten die versuchen sie in ihre Busse zu bekommen. Nach fast 5 Stunden Fahrt mit mehr oder weniger kritischen Überholmanövern erreichten wir aber dennoch unversehrt Windhoek. Da erst mal jedoch der nächste Schock. Wir erwarteten an einer Tankstelle in Windhoek raus gelassen zu werden. Stattdessen hielt der Bus an einer Tankstelle namens „Monte Christo“ die allerdings direkt in Katutura liegt. Ein bisschen unwohl war uns schon wie wir da mit unseren Rucksäcken standen und auf das Taxi warteten. E s fuhren zwar ständig an uns vorbei, allerdings meinten die Freiwilligen, dass diese meist nicht wüssten wo das Hostel ist, was direkt gegenüber von ihrem Haus ist. Daher mussten wir uns ein Dial-a-cab rufen, welches zwar teurer ist, dafür aber jedoch wusste wo wir hinmussten. Während wir so warteten, wurden wir ständig angehupt und zwischendurch auch mal nach unseren Handynummern gefragt und ob wir nicht Freunde mit ihnen werden wollen. Nachdem wir allerdings gesagt haben, dass wir weder mit ihnen zusammen sein wollen noch unsere Handynummer rausrücken wurden wir auch komplett in Ruhe gelassen und nur noch angestarrt. Die Kindergartenlehrer meinten übrigens im Nachhinein „ Waaaaas ? Monte Christo? Hattet ihr keine Angst?“ und waren schon etwas erschrocken. So schlimm allerdings war es da dann doch nicht. Nach einer halben Stunde kam dann auch das Taxi und brachte uns sicher zum Haus der anderen Freiwilligen, welches auch in Katutura, allerdings einem besseren Teil davon, liegt. Nachdem wir ein bisschen Kuchen gegessen hatten, und auch die Leute aus dem Hostel gegenüber kennengelernt hatte, sind wir dann erst mal in einem sehr schicken Restaurant essen gegangen. Allerdings war es gar nicht einmal so teuer wie erwartet. Danach zogen wir uns um und erkundeten das Nachtleben von Windhoek. Und oh Wunder über Wunder es gab richtige Clubs, nicht so komische Bars wie in Tsumeb sondern richtige Clubs mit Tanzfläche und richtigem DJ. Nach einer durchfeierten Nacht, sind wir am nächsten Tag erst mal ein bisschen shoppen gegangen. Am Abend veranstaltete das Hostel einen Braai und danach sind wir noch einmal in einen anderen Club in Windhoek gegangen. Am nächsten Morgen mussten wir relativ früh aufstehen, weil der Busfahrer meinte, er würde so gegen 10 Uhr losfahren. Es gibt allerdings mehrere Busse die von Windhoek aus in den Norden fahren, von daher war es nicht so schlimm, dass wir zwar um 10 an der Tankstelle standen, von dem Busfahrer allerdings weit und breit nichts zu sehen war. Stattdessen wurden wir plötzlich von fast 15 Männern umzingelt die uns wieder einmal anschrien um uns zu überzeugen, doch mit ihrem Bus zu fahren. Nach einer gefühlten Ewigkeit saßen wir dann endlich in einem Bus drin. Dieser war allerdings, anders als auf dem Weg von Tsumeb nach Windhoek, voll besetzt. Wir quetschten also uns und unsere Sachen auf die Rückbank, auf der bereits 2 Frauen saßen. Und nach einigem warten auf die anderen Passagiere die sich noch Essen kauften, ging es dann auch los, zurück nach Tsumeb. Es war extrem warm im Bus und aus dem Radio tönte keine Musik sondern, wir vermuten es zumindest, eine Predigt, die fast 3 Stunden lang ging. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreichten wir dann auch endlich wieder Tsumeb. Zwischendurch hatten wir im Bus noch einen Chefkoch aus dem Halali Camp im Etosha Nationalpark kennengelernt, der mit seiner Familie unterwegs war. Da er auch in Tsumeb ausstieg, half er uns erst mal aus dem Bus zu kommen, denn dieser hielt einige Meter vor der Tankstelle vor den Ständen von dem Open Market. Als die Tür aufging stürmten sofort 20 Menschen auf die Öffnung zu, um ihre Waren an die Passagiere im Bus zu verkaufen, was allerdings ein herauskommen aus dem Bus fast unmöglich machte. Aber dank der Hilfe des Kochs schafften wir es dann doch. Wieder in der Wohnung angekommen, erzählten uns die beiden anderen Freiwilligen erst einmal: Stromausfall. In ganz Tsumeb war der Strom von morgens bis abends um 18 Uhr einfach abgestellt worden, damit etwas an den Leitungen repariert werden konnte. Das gibt es auch nur in Namibia. Nach diesem anstrengenden Tag bin ich dann allerdings auch nach dem Abendessen sofort ins Bett gegangen, denn am nächsten Morgen wartete ja wieder der Kindergarten auf uns.

Insgesamt war es ein echt schöner und auch anstrengender Trip nach Windhoek und es war echt interessant auch mal zu sehen, wie die anderen wohnen und Leben (sie benutzen z.B. immer ein Taxi, während wir hier in Tsumeb noch kein einziges Taxi von innen gesehen haben, weil man überall hinlaufen kann). Und zu unsere Art zu reisen: An sich ist es zu zweit kein Problem auch wenn man mitten in Katutura rausgelassen wird, aber alleine würde ich so nicht reisen, weil es dann doch nicht so toll ist erst mal von allen Seiten angeschrien zu werden. Und es in Windhoek schon nicht so toll war als plötzlich 15 Männer um einen herumstanden und einen lautstark versuchten zu überzeugen, doch in ihren Bus zu steigen. 

Freitag, 11. Oktober 2013

Der alltägliche Wahnsinn – Kindergarten


Jeden Morgen von Montag bis Freitag, außer Donnerstag, arbeite ich von 8.00-12.00 Uhr im Kindergarten den SOS Dorfes. Dorthin kommen nicht nur 4 Kinder aus dem SOS Dorf sondern auch Kinder aus ganz Tsumeb. Im Kindergarten gibt es insgesamt 4 Klassen, die blue class, die yellow class, die die green class und die red class. Eine Klasse ist für die Kinder die nächstes Jahr in die Schule gehen, eine Klasse für die Babies und die beiden anderen für die restlichen Kinder. Insgesamt gibt es 4 Teacher (die Kinder nennen alle Kindergärtnerinnen Teacher, selbst uns) für fast 80 Kinder. Allerdings ist die eine Lehrerin gleichzeitig auch die Direktorin weshalb ihre Klasse immer bei der Baby Klasse dabei ist. Jeder Freiwillige ist einer Lehrerin zugeteilt. Ich bin in der Blue Class bei Teacher Maria. Die Kinder dort sind alle schon etwas älter als die Kinder in der Baby Klasse. Am Anfang hatten wir große Probleme im Kindergarten arbeiten zu können, da sie wohl dachten, dass wir ein besonderes Programm benötigen würden und so sagten sie jeden Tag, dass sie unsere Hilfe nicht benötigen würden. Nachdem wir allerdings klar gestellt hatten, dass wir einfach nur dabei sein wollen um den Lehrern zu helfen. Nachdem sie dies verstanden hatten, wurden wir auch sofort in ihre Arbeit integriert. Jeden  Morgen wenn ich um 8 Uhr in die Klasse komme, sitzen die Kinder brav an ihrem Tisch, mucksmäuschenstill und warten auf mich und ihre Lehrerin, die meistens noch mit den anderen Lehrern redet. Dann werden erst einmal Zähne geputzt. Allerdings hat gerade einmal ein bisschen mehr als die Hälfte aller Kinder eine Zahnbürste im Kindergarten, sodass die anderen Kinder ihre Zähne nicht putzen können. Nachdem sie die Zähne geputzt haben, dürfen sie entweder etwas malen oder spielen. Allerdings spielen Mädchen und Jungen getrennt. Die Jungs spielen mit Autos, die Mädchen mit einer Puppenküche. Um ca. viertel vor 9 wird aufgeräumt und die Kinder stellen sich getrennt nach Mädchen und Jungen in zwei Reihen vor der Tür auf. Dann dürfen erst die Mädchen zur Toilette laufen und dann die Jungs. Dabei wird sehr darauf geachtet, dass sie nicht rennen und jeder seinen Vordermann festhält. Wenn sie auf der Toilette waren, stellen sie sich mehr oder weniger in einer Reihe beim Waschbecken auf und bekommen etwas Seife um ihre Hände zu waschen. Sobald sie fertig sind, laufen sie zu ihrer Klasse und stellen sich dort wieder getrennt in 2 Reihen auf. Sobald alle Kinder fertig sind, gehen sie in ihre Klasse und machen einen Kreis. Dann singen sie ein paar Lieder, hauptsächlich religiöse Kinderlieder und am Ende beten sie zusammen. Die Lehrerin spricht dabei einen Satz vor und alle Kinder sprechen ihn nach. Das Gebet ist entweder in Englisch, Afrikaans oder Damara, der Heimatsprache der Lehrerin. Das ist übrigens die Sprache mit den Klicklauten und es ist total süß wenn 25 Kinder zusammen die Klicklaute machen. Nach dem Gebet gibt es meistens eine kurze Unterrichtseinheit in der sie etwas über z.B. den Frühling oder Bäume oder Blumen lernen, dann dürfen sie dazu noch etwas malen und um halb 10 gehen sie dann raus zum Frühstücken. Bevor die meisten Kinder allerdings frühstücken, gehen sie mit ihren Brotboxen oder Chipstüten zu jedem Teacher, sodass diese ihr Essen probieren können. Die Lehrerinnen erzählten uns, dass wenn man das Essen der Kinder nicht probiert, und sei es ein nur noch so kleiner Krümel, die Kinder zu den Eltern gehen und ihnen sagen ihr Essen sei schlecht, weil die Lehrerin es nicht probiert hat. Dadurch dass man ständig probieren muss, haben wir schon die merkwürdigsten Dinge in den Brotboxen der Kinder gesehen. Von kalten Pommes, die allerdings sehr beliebt sind, über Nudelsalat, Rührei  und Pizza war neben dem normalen Brot schon alles dabei. Sehr beliebt sind auch kleine Chipstüten und extrem süße Säfte. Nachdem man dann also einmal alles durchprobiert hat, haben wir eigentlich nichts mehr zu tun, denn nach dem Essen dürfen die Kinder bis sie abgeholt werden nach Herzenslust spielen, schreien und rumtoben. Die meisten Kinder werden so gegen 12 Uhr abgeholt, entweder kommt ein Taxi, das ist hier so üblich und jedes Kind weiß wie sein Taxi aussieht, oder die Eltern oder Geschwister holen sie ab, dann meistens zu Fuß. Anfangs war ich die ersten Tage schon etwas schockiert in welchem Ton die Lehrerin mit den Kindern redet und dass die Kinder nur flüstern, wenn sie malen. Als mich die Lehrerin allerdings nach ein paar Tagen mit den Kindern alleingelassen hat und ich den Tag mit ihnen gestalten sollte, war mir auch klar warum. Die Kinder sind größtenteils sehr schlecht erzogen. Solang die Lehrerin da ist, sind sie still und machen was ich sage, wenn die Lehrerin allerdings weg ist, werde ich kaum noch ernst genommen und die Kinder sind extrem laut und wenn sie in einer Reihe stehen kommt es fast jeden Tag zu kleinen Prügeleien um die Plätze in der Reihe. Egal ob ich laut werde oder nicht die Kinder ignorieren mich ganz gerne mal und spielen einfach weiter anstatt aufzuräumen. An manchen Tagen funktioniert es mehr, an manchen weniger. Daher hatte ich am Ende der ersten Woche im Kindergarten keine Stimme mehr, weil ich immer so laut mit ihnen reden musste. Nachdem ich ihnen allerdings angedroht hatte, dass ich nicht mehr komme, hörten sie schon ein bisschen besser auf mich. Das Problem ist auch, dass sie mich zwar Teacher nennen, mich aber nicht so behandeln, beziehungsweise anders mit mir umgehen. Sobald ich in die Klasse komme und Guten morgen sage, stürmen alle Kinder auf mich zu und rufen „Teacher Lara, Teacher Lara“ und wollen mich am liebsten alle gleichzeitig umarmen. Das würden sie bei ihrer echten Lehrerin nie machen. Zudem spiele ich immer mit ihnen mit, wenn sie freie Zeit in der Klasse haben. Besonders die kleinen Jungs versuchen mich ganz gerne mal zu provozieren und stören dann die ganze Gruppe, weil sie sich auch einfach manchmal anfangen zu prügeln. Nachdem der letzte Junge dann allerdings versucht hat zu stören, wurde er kurzerhand weggesetzt und durfte nicht mit den anderen zusammen malen, sondern musste ihnen dabei zusehen. Sofort hat man gemerkt wie die ganze Gruppe leiser wurde. Im Moment übe ich Verse mit ihnen für die Graduation Party, weil die Schulkinder bald in die Schule kommen. Das ist immer etwas schwierig, weil die meisten Kinder extrem leise reden. Ich kann jetzt auch eigentlich alle Namen von Kindern, bis auf einen Namen, denn der hat leider gleich zwei Klicklaute in seinem Namen. Der Junge fühlt sich leider weder angesprochen wenn ich den Namen ohne Klicklaute ausspreche, als auch wenn ich versuche die Klicklaute zu machen. Die Kinder versuchen mir immer wieder den Namen vorzusprechen, aber ich habe das Gefühl, dass sich die Klicklaute immer anders hören. Mittlerweile verstehen sie schon wen ich meine, wenn ich mühsam versuche den Namen auszusprechen und rufen ihn dann für mich. Inzwischen habe ich aber auch da schon richtige Erfolgserlebnisse wenn ich den Namen ausspreche und die Kinder mir sagen, dass es genau so richtig war.

Diese Woche hatte ich die Klasse für mich alleine, weil meine Lehrerin nicht da war. Nachdem die ersten Tage mehr oder weniger gut funktionierten, kam in der Mitte der Woche eine Lehrerin der anderen Klasse und meinte zu den Kindern, dass sie auch auf mich hören sollten und leise sein sollten. Danach verliefen die restlichen Tage der Woche schon wesentlich einfacher und vor allem etwas leiser, zumindest so lange sie in der Klasse waren und etwas zu tun hatten.

Mittwoch, 2. Oktober 2013

Ein etwas anderes Wochenende


Dieses Wochenende haben wir das typisch afrikanische Leben mitbekommen. Wir haben jetzt endlich auch Afrikaansunterricht bei einer netten Frau in der Nähe des Kinderdorfes. Der Unterricht findet bei ihr zu Hause statt und jedes Mal wenn wir Unterricht haben läuft ihr Mann herein und hat entweder ein typisch afrikanisches Gebäck dabei oder ein anderes Tier mit. Sie haben dort Hunde, Schlangen, Schildkröten, einen Papagei und sogar eine Meerkatze. Außerdem ist die ganze Familie super nett und hat uns schon zum Grillen eingeladen. Bei ihr im Haus wohnt noch eine weitere Person. Er lud uns zu einem typisch afrikanischen Braai ein, was nichts anderes als Grillen ist. Am Freitag sind wir also los zu einem Freund von ihm um dort mit ein paar anderen zu grillen. Naja, grillen kann man das nur mehr oder weniger nennen, das Fleisch haben sie nämlich erst draufgelegt als das Feuer schon fast wieder aus war. Außerdem gab es nur Fleisch und nichts anderes und das haben wir auch noch mit den Händen gegessen. Die einzige Beilage die es gab war ein Reissalat den wir mitgebracht haben, von dem sie allerdings nicht so begeistert waren. Als wir fertig mit essen waren, wollten wir in einen Club. Naja „Club“ ist vielleicht etwas übertrieben, es war eher eine Bar. Es gab eine kleine Fläche zum Tanzen und einen Billiardtisch. Als wir in die Bar hereinkamen, dort waren nicht so viele Menschen wie erwartet, wurden wir erst einmal angestarrt als hätten sie noch nie Mädchen gesehen. Den ganzen Abend über waren wir die Attraktionen und ständig wollten sich die Leute mit einem Unterhalten und einem das Getränk ausgeben. Dazu muss man sagen, dass neben uns vielleicht noch 4 andere Mädchen da waren und in Namibia ist es wohl üblich das den Frauen alles ausgegeben wird und sie nichts selber bezahlen müssen. Anders als in Deutschland erwarten sie allerdings nicht, dass man sich zwangsläufig mit ihnen unterhält nur weil man etwas ausgegeben bekommen hat, manchmal spendieren sie einem auch nur ein Getränk, unterhalten sich kurz und gehen dann wieder. Um 2 Uhr hat die Bar zu gemacht und als wir in die zweite Bar oder Club, was auch immer es war, nicht mehr gegangen sind, verbrachten wir den restlichen Abend dort, wo wir auch gegrillt hatten  und fielen spät am Abend todmüde in unsere Betten. Am nächsten Morgen waren wir dann mit den Leuten vom vorigen Abend an einem See und haben dort den ganzen Tag verbracht. Am Abend sind wir zu einem Modelcontest gegangen, weil ein paar  Kinder aus dem Kinderdorf daran teilnahmen und wollten, dass wir ihnen zuschauen. Auf der Karte stand drauf, dass es um 18 Uhr beginnen würde und eines der Mädchen aus dem Kinderdorf meinte, dass wir schon um 17 Uhr da sein sollten, um uns gute Plätze zu sichern. Also waren wir, typisch deutsch, natürlich pünktlich um 17 Uhr da. Als wir allerdings in die Community Hall kamen, wo der Contest stattfinden sollte, waren wir nicht nur die einzigen dort, sondern sie waren noch nicht einmal fertig mit aufbauen. Gegen 6 Uhr waren immer noch keine anderen Leute da, allerdings fand dann wohl auch gerade erst die Generalprobe statt. Gegen 19 Uhr war von anderen Leuten immer noch keine Spur zu sehen und uns wurde gesagt, sie wüssten auch nicht wann sie anfangen, denn sie würden noch auf die Veranstalterin warten. Insgesamt startete die Veranstaltung dann erst um 21 Uhr. Aber die Veranstalterin brachte uns netterweise sogar etwas zu essen weil wir Neu waren und Fremde in diesem Land. Auch bei diesem Contest hat sich mal wieder gezeigt, dass wohl alle Afrikaner den Rhythmus einfach im Blut haben, weil die Modelauftritte immer wieder von Tanz- und Gesangeinlagen von Kindern allen Alters unterbrochen wurde und selbst die Kleinsten schon super tanzen können. Die Musik und auch das Geschrei der Kinder war allerdings so laut, dass wir gegen 23 Uhr beschlossen lieber noch ein bisschen feiern zu gehen mit den Leuten vom Vortag. Am nächsten Tag hörten wir, dass der Contest wohl bis 3 Uhr nachts gegangen sei. Am Sonntag mussten wir dann erst mal ausschlafen und versuchten uns im Brot und Kuchen backen. Sowohl der Kuchen als auch das Brot sind leider zu vielen tausend Teilen zerfallen, da wir sie in einem Topf backen mussten, weil wir keine Backformen haben. Trotzdem ist es sehr lecker geworden. Am Abend wurden wir dann von Jungs noch einmal zum Essen eingeladen, weil sie meinten, da unser Reissalat so schrecklich war, müssten sie uns erst einmal bekochen um zu zeigen was gutes Essen ist. Das Essen war ein typisch afrikanischer Eintopf mit Hühnchen und Gemüse und auch wirklich lecker. Den restlichen Sonntagabend verbachten wir noch zusammen mit ihnen um dann jedoch etwas früher als am Freitag und am Samstag zu Bett zu gehen, da wir am Montag ja wieder arbeiten mussten.